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„Jedes Baby ist anders…“ erzählt uns Kinderfotografin Katharina Althoff

Katharina Althoff Kinderfotografin

Bei einem Workshop für Portrait-Fotografie lernte Carolin vor einiger Zeit die sympathische Fotografin Katharina Althoff kennen. Katharina ist eine Kinderfotografin aus Lüneburg, die sich auf schlichte und zeitlose Neugeborenenfotos spezialisiert hat. Katharina, selbst Mutter eines kleinen Sohnes, fotografiert bei den Kunden zuhause, im Krankenhaus und in ihrem eigenen Studio. Damit kennt Katharina alle Facetten der Neugeborenenfotografie und steht uns heute gern Rede und Antwort.

Liebe Katharina! Wie hast du die Fotografie für dich entdeckt? Wie kam es dazu, dass du inzwischen ein eigenes Studio in Lüneburg hast?

Ehrlich gesagt bin ich nur ganz zufällig zur Fotografie gekommen – obwohl ich fotografisch „vorbelastet“ war, hatte ich nie in Erwägung gezogen Berufsfotograf zu werden. Ich habe an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel Kommunikationsdesign studiert. Dieses Studium umfasste auch eine fotografische Grundausbildung. Außerdem hatte ich schon in meiner Schulzeit angefangen für eine befreundete Babyfotografin Bilder zu bearbeiten. Damit konnte ich mir dann auch noch in meiner Studienzeit etwas Geld dazu verdienen. Nach meinem Abschluss habe ich aber als Online Art Director in einer Werbeagentur gearbeitet, bis ich 2013 meinen Sohn zur Welt gebracht habe. Als ich nach meinem ersten Elternzeitjahr überlegte wie es nun weitergehen sollte (in die Agentur zurück gehen war vorerst keine Option), wurde mir angeboten den Job der Babyfotografin, für die ich früher gearbeitet hatte, in einem Hamburger Krankenhaus zu übernehmen. Dieses Angebot nahm ich gerne an.

Nach einem Jahr habe ich dann noch das dritte Jahr Elternzeit genommen und bin vom großen Hamburger Krankenhaus in ein kleines, sehr familiäres Krankenhaus in Winsen Luhe gewechselt. Dort bekam ich die Möglichkeit hochwertige Babyfotografie nach meinen Vorstellungen anzubieten und es ergeben sich in der Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus immer wieder neue spannende Projekte, wie aktuell z.B. unsere „Bondingshootings“.

2015 kam, als weiterer Schritt, mein kleines Studio dazu. Die Nachfrage wurde immer größer, und ich brauchte einen schönen Platz um auch ältere Kinder, Familien und Neugeborene aus anderen Krankenhäusern fotografieren zu können. Meine Elternzeit ist mittlerweile beendet und ich bin sehr glücklich mit der Entscheidung nun hauptberuflich als Neugeborenen- und Kinderfotografin zu arbeiten!

Katharina Althoff im Interview
Warum hast du dich auf die Neugeborenenfotografie spezialisiert? Was fasziniert dich an der Arbeit mit den Babies?

Ich habe sehr schnell festgestellt, dass mir die Arbeit mit Neugeborenen liegt, und dass es mir einfach unglaublich viel Freude macht. Mich fasziniert es, dass diese kleinen Menschen, meist erst ein paar Tage alt, schon ihren eigenen Charakter haben. Jedes Baby ist anders und auf jedes Baby muss man sich neu einlassen und mit ganz viel Bauchgefühl erfühlen, wie man mit ihm umgehen muss, damit es sich wohl fühlt und wir ein schönes Shooting haben. Ich bin sonst ein eher rationaler Mensch und es tut mir einfach gut, dass ich meinen Kopf während des Shootings außen vorlassen muss.
Außerdem empfinde ich es als etwas ganz Besonderes die Neugeborenen in den ersten Tagen fest zu halten. Dies ist für Eltern und Kind eine sehr intensive und emotionale Zeit – und sie vergeht so unglaublich schnell! Die Kleinen wachsen zusehends, sie verändern sich mit jedem Tag. Nach zwei, drei Wochen sind sie schon keine Neugeborenen mehr.
Wenn ich mich an die erste Zeit mit meinem Sohn erinnere, dann sind da ganz viele Gefühle und Emotionen. Ich weiß wie ich mich gefreut habe, wenn er Grimassen gezogen hat, gegähnt oder gelächelt hat. Wenn er sich an mich gekuschelt hat – ich habe sogar noch seinen Geruch in der Nase! Aber ich habe kaum Bilder dazu im Kopf. Diese Bilder möchte ich den Eltern mitgeben – als Erinnerung.

Katharina Althoff im Interview
Anders als viele andere Studiofotografen verzichtest du bei deinen Fotos weitestgehend auf auffällige Props wie Körbe, Stirnbänder und zu große Kuscheltiere. Wie würdest du deinen persönlichen Stil beschreiben und welche Accessoires sind dann doch unerlässlich?

Meinen Stil würde ich als „natürlich, reduziert, liebe- und respektvoll“ bezeichnen.
Bei mir stehen ganz klar die Kinder im Vordergrund. Ich benutze nur Accessoires, die auf irgendeine Weise das Baby und seine Natürlichkeit betonen ohne ihm dabei Aufmerksamkeit zu nehmen. Unerlässlich ist für mich tatsächlich NUR das Kind. Ich benutze gerne schlichte Untergründe, das kann eine Decke sein, oder auch einfach ein Stück Stoff. Ich verwende hauptsächlich Tücher und Strick mit unterschiedlichen Strukturen. Außerdem fotografiere ich die Kleinen gerne im Kontakt mit den Eltern oder Geschwistern – da brauche ich nichts.

Für mich ist es wichtig, dass sich die Kinder die Bilder in 20 Jahren ansehen können und sagen „So war ich also?“ und nicht „Was habt ihr da bloß mit mir gemacht?“.

Es gibt viele Fotografen, die viele Accessoires benutzen. Wenn das professionell geplant und fotografiert ist finde ich solche Bilder auch sehr schön, aber es ist nicht meins – und ich glaube, dass man nur wirklich gut sein kann, wenn man mit voller Überzeugung hinter seinen eigenen Fotos steht.

Katharina Althoff im Interview
Neben deiner Arbeit im Studio fotografierst du die ganz Kleinen auch direkt auf der Entbindungsstation im Krankenhaus. Nun hat die Krankenhausfotografie nicht immer den besten Ruf bei den Eltern: Die Posen seien immer gleich, die Bilder überteuert und die Fotografen hätten keine Zeit für die jungen Eltern. Was machst du anders, als die bekannten großen Anbieter?

Ich produziere keine Massenware. Ich fotografiere ein, allerhöchstens zwei Kinder am Tag. Ein Neugeborenenshooting dauert bei mir zwischen 2 und 3 Stunden. Auch im Krankenhaus – wenn es nötig ist. Davon fotografiere ich nur etwa 30 Minuten. Die restliche Zeit wird mit stillen, kuscheln und unterhalten verbracht. So habe ich schon viele sehr nette und interessante Menschen kennen gelernt!

Außerdem habe ich keinen festgelegten Ablauf eines Shootings. Ich biete den Neugeborenen eine „Pose“ an und gucke wie ich sie variieren muss, damit das Baby sich wohl fühlt. Wenn ich merke, dass es etwas gerade nicht mag, dann lasse ich es weg und mache etwas Anderes. Dadurch bestimmen die Kinder was für Bilder ich bekomme.

Preislich kann ich mich nicht mit den großen Anbietern vergleichen. Hinter meiner Arbeit steht ein ganz anderes Konzept. Ich vertraue darauf, dass die Eltern, die mich buchen, meine Arbeit mögen. Daher kosten meine Shootings nichts. Die Eltern können sich alle fertigen Bilder erst einmal online ansehen und dann in Ruhe entscheiden, ob sie etwas kaufen möchten.

Katharina Althoff im Interview

Du fotografierst beinahe täglich Neugeborene. Gibt es eine Pose, die immer wieder besonders beliebt ist bei den Eltern?

Nein. Es gibt keine „Pose“ die alle Eltern unbedingt haben möchten. Aber es gibt viele Eltern die mit einem bestimmten Wunsch kommen – „Wir haben ein Bild von Dir gesehen – so eines möchten wir auch.“ Wobei ich dann hinterher oft feststelle, dass es den Eltern weniger um das Motiv ging, sondern mehr um das Gefühl, das ihnen das Bild durch Farben, Komposition und kleine Details vermittelt hat.

 

Kannst du bitte für uns noch einmal kurz zusammenfassen, worauf Schwangere und frischgebackene Mamas achten sollten, wenn sie ein Newbornshooting bei einer Fotografin buchen wollen?

Das Wichtigste ist, dass sie sich vorher genau ansehen was für Bilder diese Fotografin oder auch der Fotograf macht. Man sollte sich seine/n Fotograf/in immer nach der Arbeit aussuchen, nie danach das derjenige „gerade zufällig da ist“. Ich habe es am Anfang einmal erlebt, dass Eltern mit meinen Bildern überhaupt nicht zufrieden waren, obwohl ich für mich sehr typische Bilder gemacht hatte. Ich habe sie dann gefragt, ob sie sich vorab angesehen haben was ich mache – das hatten sie nicht – sie hatten mich nur gebucht, weil ich in der Suchmaschine ganz oben stand. Seitdem frage ich immer wenn ich gebucht werde, ob sich die Eltern sowohl meine Bilder als auch meine Preise vorab angesehen haben.

Was ich darüber hinaus immer noch für wichtig halte ist Sympathie. Wenn man die Möglichkeit hat die Fotograf/in vorab kennen zu lernen, sollte man das wahrnehmen. Gibt es diese Möglichkeit nicht, kann man sich umhören was andere, die schon ein Shooting hatten, berichten.

Katharina Althoff im Interview
Was hättest du gern gewusst, bevor du mit der Neugeborenenfotografie begonnen hast?

Da fällt mir nichts ein. Für mich war der Weg vom ersten Neugeborenenbild im Krankenhaus, hin zu der meiner jetzigen Situation eine ziemlich interessante, wenn auch manchmal sehr anstrengende und holprige Reise. Ich habe aber aus allen Situationen, den positiven und auch den negativen viel gelernt und mitgenommen. Durch all das was ich vorher nicht wusste war ich gezwungen mich immer wieder mit neuen Dingen zu beschäftigen und habe dadurch viel „am Wegesrand“ entdeckt, was mir sonst entgangen wäre.

Kinderfotografin Katharina Althoff

Neben der täglichen Arbeit mit Kunden widmest du dich auch noch freien Projekten. Magst du uns schon was über deine Projekte erzählen? Was oder wer inspiriert dich zu solchen Projekten?

Im Moment habe ich drei „Projekte“ nebenherlaufen.

1. Mein „Mami-Projekt“ – hier habe ich zwei werdende Mamas während ihrer Schwangerschaft begleitet und ausprobiert was ich hier für Fotos machen kann, die meinem Stil und meiner Vorstellung von Fotos entsprechen. Ich wollte die Schwangerschaft betonen, ohne die Frauen darauf zu reduzieren und vor allem ohne sie zu verbiegen.
Mein typisches Beispiel ist immer: Ich fotografiere keine Schwangere im wehenden Seidenkleid auf einem Feld im Sonnenuntergang, außer diese Schwangere würde auch in Ihrem normalen Leben ebenso auf dem Feld stehen. (Wobei ich nichts gegen diese Fotos habe – im Gegenteil, aber sie entsprechen mir nicht).
Ich fotografiere meine Schwangere dann lieber im Supermarkt an der Kasse, da steht sie nämlich auch im echten Leben.
Die Bilder sind alle gemacht, müssen aber noch bearbeitet werden bevor ich die ganze Serie veröffentliche. Ich bin sehr gespannt auf die Rückmeldungen.

2. Das „Bonding-Projekt“ in Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus Winsen Luhe. Dieses Projekt steht gerade erst in den Startlöchern. Hier geht es darum das Bonding, also das erste wichtige Kennenlernen, zwischen dem Neugeborenen und seinen Eltern, bzw. der Familie fotografisch zu begleiten. Geplant ist, dass ich direkt nach der Geburt in den Kreissaal oder das Stationszimmer komme und ganz zurückhaltend aus dem Hintergrund fotografiere.
Wie das Ganze in der Umsetzung funktioniert – gerade wenn die Babys in der Nacht auf die Welt kommen, und wie sich die Nachfrage entwickelt ist noch spannend.

3. Das letzte Projekt ist ein kleiner Leitfaden für andere Fotografen, die sich für meinen Stil und meine Art zu fotografieren interessieren. Hier soll nur einmal grob umrissen werden was man an Ausrüstung wirklich braucht, welche Möglichkeiten man mit dem Neugeborenen hat und ganz wichtig, auf was man achten muss um die Gesundheit des Babys nicht zu gefährden (da sehe ich manchmal ganz gruselige Sachen). Außerdem erzähle ich etwas über Bildkomposition und Farbwirkungen. Das Ganze soll es dann für wenig Geld als Download geben. Für alle die sich noch genauer damit befassen wollen biete ich Workshops an, oder einfach nur einmal die Möglichkeit bei einem Shooting dabei zu sein und „Mäuschen“ zu spielen.

Eine Inspiration im eigentlichen Sinne habe ich nicht. Es ist eher eine Mischung aus meinem Kopf der immer arbeitet und Neues probieren möchte und der vorhandenen Nachfrage.

 

Vielen Dank für das Interview, Katharina!

Wir freuen uns schon bald mehr über Katharinas Projekte erzählen zu dürfen. Bis dahin erfahrt ihr alles über Katharina Althoff und ihrer Arbeit auf ihrer Website katharinaalthoff.de. Und einen Blick hinter den Kulissen bekommt ihr auf ihrem Instagram-Account katharina_althoff.

 

Katharina Althoff, Oktober 2016
Interview: Carolin Bartel
Fotos: Katharina Althoff

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