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Eine Neugeborenenfotografin braucht Geduld, Flexibilität und Einfühlungsvermögen meint Julia Oehme

Interview Julia Oehme

Der ganz besondere Zauber von Neugeborenen vergeht meiner Meinung nach viel zu schnell. Schon nach den ersten Tagen der Geburt hat einen der Alltag wieder eingeholt. Dabei könnte man den kleinen Haarwirbel seines Babys doch ewig anschauen, den süßlichen Babyduft atmen und die einmalig kleine Hand für immer festhalten. Und genau hier setzt Julia Oehme als natürliche Babyfotografin an. Julia schafft mit ihrem dezenten und zarten Stil zeitlose Erinnerungen. Mit Hilfe ihrer Bilder erinnern sich Eltern auch noch Jahre später an diese besondere Zeit in den ersten Tagen mit ihrem Nachwuchs. Mit mir hat Julia über ihre Arbeit als Babyfotografin in Leipzig gesprochen und mir ein paar Fotografie-Tipps mit auf den Weg gegeben.

 

Liebe Julia. Wann hast du deine Leidenschaft für die Fotografie entdeckt und was fasziniert dich so an der Neugeborenenfotografie?

Meine erste Kamera habe ich mir 2007 gekauft. Damals allerdings nicht mit dem Hintergedanken daraus mal einen Beruf zu machen, sondern schlicht und einfach, weil eben jeder eine Kamera zu haben schien. Also wollte ich auch eine haben.

Damals habe ich natürlich vor allem privat und besonders gern meine kleine Schwester fotografiert und schnell gemerkt, dass es passt zwischen mir und der Fotografie. Sie war zu dem Zeitpunkt 7 und noch ein sehr williges Fotomodel. Bei Recherchen im Internet bin ich dann auf Babyfotografien vor allem aus den USA gestoßen und war absolut fasziniert. Mein Interesse war sofort geweckt und als dann eine Arbeitskollegin schwanger war bekam ich das erste Mal die Chance so ein kleines Wunder zu fotografieren. Die Bilder sind natürlich mit denen von heute gar nicht zu vergleichen, aber ich war sofort verliebt! DAS war das was ich machen wollte!

Ich liebe Babys einfach…die winzigen Fingerchen und wie sie sie strecken, die süße Mimik, die großen Kulleraugen…es gibt so viele Besonderheiten an jedem einzelnen Baby und es ist ein tolles Gefühl im Stande zu sein all diese Besonderheiten eines Babys für die Eltern für immer festzuhalten.

Interview Julia Oehme

Du sagst von dir selbst, dass du kein Fan von verrückten Posen und knalligen Accessoires bist. Du beschreibst deinen Stil eher als pur, dezent und zart. Wie erreichst du diesen Stil voller Natürlichkeit und Emotionen? Worauf legst du bei deinen Fotos Wert?

Zunächst einmal versuche ich den Einsatz von Accessoires bei meinen Neugeborenenfotos auf ein Minimum zu beschränken. Im Mittelpunkt soll bei mir wirklich immer das Baby stehen und nicht die riesige Blume, die man ihm auf den Kopf gesetzt hat. Da soll wirklich nichts sein, was von diesem kleinen Minimenschen und seiner Einzigartigkeit ablenken kann. Wenn Accessoires, dann ganz dezent und in gedeckten Farben. Auch ich kann nicht widerstehen einem kleinen Mädchen ein süßes Haarbändchen aufzusetzen.

Des Weiteren habe ich sämtliche „komplizierte“ Posen aus meinem Repertoire gestrichen. Ja, viele sehen süß aus und sicher gehen auch alle meine Kollegen sehr behutsam mit jedem Baby um, wenn sie es in eine bestimmte Pose bringen, aber diese Posen zeigen ein Neugeborenes einfach nicht so, wie ich es sehe und für die Eltern festhalten möchte.

Interview Babyfotografin Julia Oehme

Du arbeitest mit unglaublich schönen Tüchern, kuschelweichen Decken und gestrickten Mützen. Wo bekommt ihr Neugeborenenfotografen diese tollen Accessoires bloß immer her? Gibt es dafür einen Großhandel oder habt ihr alle begabte Omas zu Hause sitzen? Hast du einen Tipp für uns, wo auch wir mal so schöne Fotoaccessoires erwerben können?

Den Großteil meiner Accessoires kaufe ich da, wo ich auch sonst ständig einkaufe. Gerade für Tücher, Decken, Kisten und Körbchen heißt es in der Regel einfach nur Augen offenhalten in Kleidungs- und Dekogeschäften aller Preisklassen!

Was die feineren Accessoires wie Mützchen und Haarbänder angeht gibt es mittlerweile über Facebook und Co eine sehr große Community von kleinen Unternehmen weltweit, die diese in Handarbeit herstellen. Da sie jedoch wie gesagt in Handarbeit und direkt mit der Zielgruppe der Babyfotografen im Sinn entstehen, sind sie in der Regel auch entsprechend kostspielig (gerechtfertigt natürlich!) und ich würde sie nicht für den Hausgebrauch empfehlen!

 

Und worauf sollten wir beim Einsatz dieser Fotoaccessoires besonders achten?

Fotoaccessoires sind das was ihr Name schon sagt… Accessoires für Fotos. Sie eignen sich in der Regel nicht gut für den alltäglichen Gebrauch. Außerdem sind sie oft sehr zart und mit zierlichen Details wie Perlen und Co. versehen. Kinder sollte man mit ihnen also niemals unbeaufsichtigt lassen!

Babyfotografin Julia Oehme im Interview

Auf deinen Fotos sehen die Babys immer so friedlich und zufrieden aus. Wie gehst du mit den Babys um? Wie beruhigst du die Babys im Notfall?

Da ich selbst noch kein eigenes Kind habe, hat es zu Beginn natürlich eine Menge Übung erfordert zu lernen, was ein Baby mag bzw. was es braucht um zufrieden zu sein und was da eher kontraproduktiv ist. Am Anfang dachte ich die kleinen Mäuse werden bei mir NIE schlafen!

Babys haben aber ein sehr feines Gespür für Stimmungen und Gefühle im Raum, weshalb in meinen Augen Selbstsicherheit ein ganz wichtiger Faktor ist, wenn es darum geht ein Baby zu beruhigen. Warum sollte sich ein Baby bei jemandem entspannen, dessen Anspannung und Nervosität es förmlich spüren kann? Also einfach tief durchatmen, entspannen und Geduld beweisen.

Zu Beginn hat mir auch das Buch „Das glücklichste Baby der Welt“ von Dr. Harvey Karp sehr weitergeholfen!

Babyfotografin Julia Oehme

Du hast dir vor Kurzem sogar ein großes Familienbett ins Studio gestellt. Da wir auch alle ein Bett zu Hause stehen haben, wollen wir nun natürlich wissen, wozu du dieses Bett einsetzt. Welche Art von Fotos machst du auf dem Bett? Was gilt es zu beachten?

Oh ja, ich LIEBE mein Bett! Ich nutze es für fast alle Arten von Shootings… Für geschmackvolle Schwangerschaftsfotos in Unterwäsche, Babys die auf dem weichen Bett umherkullern können und Familien für die es ein toller Platz zum Kuscheln ist. Mein Studio ist grundsätzlich nicht wie ein typisches Fotostudio eingerichtet, sondern erinnert eher an ein größeres Wohnzimmer. Von daher passt auch das Bett wunderbar zum wohnlichen Charakter!

Zu beachten gilt es auf jeden Fall, dass gerade bei Babys immer jemand in der Nähe ist, der sich vollkommen auf das Baby konzentriert und mögliche Stürze vereiteln und abfangen kann. Gerade wenn die jungen Damen und Herren anfangen zu krabbeln sind sie ja kaum noch zu halten. Da ändert auch das Ende des Bettes nichts dran.

Interview Julia Oehme Babyfotografin

Du machst nicht nur wunderschöne Neugeborenenfotos, sondern auch lebendige Babyfotos. Dafür hast du einen „Babyplan“ für deine Kunden. Was ist dieser „Babyplan“?

Ich bin davon überzeugt, dass das erste Lebensjahr eines Babys der Zeitraum ist in dem es sich am stärksten verändert. Aus dem kleinen hilflosen Bündel wird innerhalt eines so kurzen Zeitraums ein neugieriges kleines Menschlein, das beginnt Laufen und Sprechen zu lernen und seine gesamte Umgebung unsicher macht. Aber das schlimmste daran ist, dass diese Zeit so schnell vergeht, dass man sich später gar nicht mehr an alle Kleinigkeiten erinnern kann. Und genau dafür gibt es meinen Babyplan!

Er ist ein Kombipaket aus drei Fotoshootings zu besonders prägnanten Zeitpunkten. Er beginnt mit dem Neugeborenenshooting, welches für verschlafene und abwechslungsreiche Neugeborenenfotos in den ersten 14 Lebenstagen des Babys durchgeführt werden sollte. Das zweite Shooting findet dann statt, wenn aus dem verschlafenen Neugeborenen schon ein quirliges Baby geworden ist – in Form eines Minishootings im Alter von 6 – 10 Monaten. In diesem Alter stützen sich die kleinen super in Bauchlage ab oder können sogar schon sitzen, freuen sich direkt in die Kamera, wenn man mit ihnen rumalbert und spielen nach Herzenslust mit ihren Händen und Füßchen, was für wunderschöne, natürliche Fotos sorgt! Da ich überzeugt davon bin, dass Fotos mit Kindern, die schon allein laufen nicht im Studio entstehen sollten, ist der Zeitraum für das dritte Shooting etwas weiter gefasst. Es handelt sich dabei nämlich um ein Outdoorshooting mit Mama und Papa irgendwann im zweiten Lebensjahr. Damit die Winterbabys nicht frieren müssen, können sie ihr drittes Shooting dann sozusagen auch mit 1 ½ Jahren auf den Sommer verlegen und es muss nicht unbedingt am ersten Geburtstag sein. Auch für mich ist es jedes Mal ein tolles Erlebnis zu sehen wie große die kleinen Mäuse schon geworden sind.

Als besonderes Extra und Dankeschön erhalten meine Babyplankunden einen vergünstigten Grundpreis für diese Shootings, sowie 20 Geburtsanzeigekarten nach dem Neugeborenenshooting und 10% Rabatt auf alle Bildbestellungen.

Ganz neu ist auch eine All-Inklusive Version mit allen Bilddateien aus den beschriebenen Shootings sowie einem tollen, hochwertigen Album mit einer Mischung der Fotos aus den 3 Shootings.

Babyfotografin Julia Oehme in Interview

Wenn du uns drei Dinge nennen müsstest, die eine gute Neugeborenenfotografin ausmachen. Welche drei Dinge wären das?

Geduld! Es gibt nichts, was man als Neugeborenenfotograf mehr gebrauchen kann. Auf den Fotos sehen alle Babys immer wahnsinnig friedlich aus, aber manchmal trügt der Schein da auch gewaltig.

Flexibilität! Man kann noch so einen tollen Plan für den Ablauf des Shootings und die tollsten Bilder im Kopf haben, manchmal haben Neugeborene einfach andere Pläne und denen sollte man sich dann flexibel anpassen können ohne gleich in Panik zu verfallen.

Einfühlungsvermögen! Ich glaube das muss ich nicht näher erläutern.

 

Und zum Schluss noch einmal ganz im Ernst: Die Arbeit mit Babys ist doch nicht immer nur reinstes Zuckerschlecken. Hast du zum Abschied eine schöne Anekdote für uns auf Lager?

Ja, einen ziemlichen Klassiker, wenn es um die Arbeit mit Babys geht. Erst vor kurzem hatte ich einen jungen Mann zu Gast, der einfach nicht einschlafen wollte. Man hat ihm zwar angesehen, dass er müde war, aber er hat richtig gekämpft um seine großen Kulleraugen immer wieder aufzumachen. Und das trotz aller kleiner Tricks!

Da er dabei aber ganz friedlich war, habe ich ihn dann in ein Tuch eingewickelt, die Beine an den Bauch, und auf eine Decke platziert um ein paar wache Fotos zu machen. Es dauerte nicht lange und sein Kopf wurde knallrot und es fing an im Tuch zu knattern. Allerdings war der Herr dabei SO produktiv, dass normale Feuchttücher gar nicht reichten und wir ihn am Ende im Waschbecken baden mussten! Das war mir in über 5 Jahren Babyfotografie so auch noch nicht passiert! Die Mama hat sich aber gefreut, denn wie ich dann erfuhr hatte er schon seit 2 Tagen seine Windel nicht mehr vollgemacht. Er hat dann noch ein paar Schlucke getrunken und danach natürlich friedlich geschlummert. Und wir wussten dann auch, warum er nicht schlafen wollte.

 

Wir danken dir sehr für den kleinen Einblick in deine Arbeit mit diesen zauberhaften kleinen Wesen.

 

Wer jetzt Lust auf viele wunderbare Babys hat, sollte sich unbedingt die Website von Julia Oehme anschauen. Einen Einblick ins Studio gibt es auch regelmäßig auf dem facebook-Account von Julia. Und wenn ihr aus der Gegend um Leipzig kommt, kann ich euch Julias neuen Newsletter nur wärmstens empfehlen. So bekommt ihr immer frisch alle Informationen zu Aktionen und Angebote.

 

Julia Oehme, Dezember 2016
Interview: Carolin Bartel
Fotos: Julia Oehme
Titelfoto: Fräulein Zuckerwatte

 

 

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1 Kommentar

  • Reply
    Mario Luft
    14. Dezember 2016 at 11:01

    Schönes Interview und genau so ist Julia auch. Unsere erste Adresse für schöne Bilder und viele meiner Kollegen sind auch bei Ihr gelandet 😉

    LG Mario

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