0 In Interviews

Fotografie trifft Design bei Jule Fischer von “Kleine Monster”

Interview Jule Fischer von Kleine Monster

Heute haben wir mit Jule Fischer aus Hannover wieder eine ganz besondere Fotografin für euch. Warum uns Jule so begeistert? Weil sie es genauso sehr liebt mit Fotos zu basteln und zu gestalten wie wir. Daher bietet Jule Fischer unter ihrem Label „Kleine Monster“ nicht nur Fotoshootings an, sondern designt aus den entstandenen Fotos fabelhafte Endprodukte. So werden aus den authentischen Familienfotos personalisierte Karten, individualisierte Broschüren und hochwertige Wanddekoration fürs Kinderzimmer. Aber schaut selbst!
 

Hallo Jule. Bitte stell dich doch einmal in drei kurzen Sätzen vor!

Hi, erst mal vielen Dank, dass ich das hier schreiben darf und für die nette Einleitung. Ich bin, wie du schon sagst, Fotografin mit einem Faible für Grafikdesign und Mutter von zwei quirligen Jungs. Ich gestalte wahnsinnig gerne und habe viel Freude daran, meine Fotos auf einem Produkt zu sehen und nicht nur als Datei im Computer zu wissen. Das Schönste an meiner Arbeit ist sicher der Umgang mit den Kindern und der Moment, wenn sie langsam locker werden und mir immer mehr Dinge zeigen und erzählen möchten.

Du bist eigentlich gelernte Fotografin. Und dennoch teilst du das gleiche Schicksal wie so viele von uns. Erst durch die Geburt des ersten Kindes hast du die Fotografie für dich (wieder-)entdeckt. Erzähl doch mal!

Ich habe in einem Werbestudio gelernt und nach der Ausbildung erst einmal anderen Fotografen assistiert. Dadurch habe ich eine Menge gelernt. Unter anderem auch, wie stark umkämpft die Werbefotografie ist und wie viel wirklich fantastische Fotografen es gibt. Davor hatte ich ziemlich viel Respekt. Eigentlich wollte ich nach der Ausbildung immer ein Grafikstudium machen, aber nach einiger Zeit Berufserfahrung schien das immer weiter weg. Ich habe erst mal einen anderen Weg in der Fotografie eingeschlagen und organisatorische und kaufmännische Aufgaben übernommen. Erst durch meine Söhne habe ich meine Kamera wieder täglich in der Hand – und nicht nur auf Reisen. Vor allem aber an den Freunden meiner Jungs habe ich gemerkt, dass ich bei Kindern anscheinend ganz gut ankomme, und meine Fotos wiederum bei den Eltern. Ich finde, es gibt leider immer noch viele Familienfotografen, die sich nicht besonders intensiv mit den Kindern beschäftigen und auf sie eingehen. Meiner Meinung nach verpassen sie dadurch die Chance echte Emotionen der Kinder einzufangen – denn das geht nur, wenn die Kinder sich wohlfühlen. Rund um Hannover gibt es nur wenige Fotografen, die diesen authentischen Ansatz haben. Deswegen habe ich die Kleinen Monster gegründet und kann nun durch die Kombination von Fotografie und Gestaltung meine beiden Leidenschaften ausleben.

Jule Fischer im Interview

Du fängst am liebsten die Familien ganz natürlich ein – mit all ihren Emotionen. Würdest du denn deinen Stil schon der dokumentarischen Familienfotografie zuordnen oder gibst du deinen Kunden schon hin und wieder kleine Anweisungen?

Das kommt immer etwas auf die Aufgabe an. Am liebsten fotografiere ich tatsächlich dokumentarisch. Bei einer Homestory beispielsweise greife ich kaum ein. Natürlich sage ich auch mal „schau mal her“ wenn ich gerade sehe, dass sich eine schöne Situation ergibt, aber es hält sich wirklich in Grenzen. Einige Familien möchten zusätzlich gerne „das eine Portrait“ für Oma haben. Hierbei versuche ich dann die Kinder selbst entscheiden zu lassen. Oft beginnt eine Session mit „zeig mir mal deinen Lieblingsplatz“. Dann entsteht das Portrait eben im Baum oder auf der Schaukel oder im Bett. Selbst bei Familienfotos versuche ich zu vermeiden, dass alle ganz brav auf dem Sofa sitzen. Bei einem gemeinsamen Picknick im Garten oder einem Waldspaziergang am Fluss entstehen viel lebendigere Bilder.

Hast du gerade ein aktuelles Lieblingsfoto in deinem Portfolio? Warum ist es genau das Foto?

Ein einziges Lieblingsfoto habe ich nicht. Obwohl sie schon etwas älter ist, mag ich die „Gartenserie“ aber immer noch besonders gerne. Der kleine Mann war einfach zu lustig und gut drauf. Ich muss immer lächeln, wenn ich die Bilder sehe. Auch das Familienportrait am Strand gefällt mir gut, da es diesen schönen Blick der Frau an ihren Mann einfängt und alle so ausgelassen aussehen. Schön finde ich auch das Portrait der Schwestern. Die Große im Vordergrund streckt mir so schön keck ihre Nase in die Linse.

Interview Jule Fischer von Kleine Monster

In unserer DIY-Rubrik zeigen wir unseren Leserinnen regelmäßig, wie sie ihre Fotos verbasteln, verschenken und präsentieren können. Auch du legst besonders großen Wert auf die „Weiterverarbeitung“ der Fotos. Warum ist das so bedeutend für dich?

In erster Linie, weil ich einfach gerne gestalte. Aber ich finde es auch schade, wenn die Fotos nur auf der Festplatte „schlummern“ statt sie im Wohnzimmer zu sehen. Davon abgesehen ist es für die Kinder einfach toll, wenn sie ihre Fotoalben aus dem Regal holen und sich gegenseitig zeigen können „guck mal so groß warst du da“, „schau mal, da waren wir im Urlaub“, „und da ist mein Bruder noch im Bauch“. Meine Jungs finden das einfach richtig spannend. Sie freuen sich auch jedes Mal, wenn sie an einem Bild von sich vorbeigehen. Ich glaube, sie fühlen sich dann noch etwas mehr dazugehörig. Nach dem Motto, „das sind wir, unsere Familie“.

Durch unseren Montessori-Kindergarten habe ich immer wieder mit pädagogischen Ansätzen und Materialien zu tun, die ich dann in meine Bücher einfließen lasse. Meine Idee für die Jahreszeitenbücher zum Beispiel kam durch eine Arbeit, die die Jungs mit ihren Erzieherinnen gemacht haben. Das Buch ist eine Fotoserie der Kinder, die begleitet wird von Fotos und Gestaltungselementen an denen sie den Wandel der Jahreszeit deutlich sehen können. Die Foto-Sessions sind immer ganz gezielt auf die Jahreszeit ausgelegt. Im Herbstlaub spielen und Kastanien sammeln, rodeln und Vogelfutter aufhängen, Blumen und Tiere erkunden und durch den Rasensprenger laufen. Zum Schluss werden die Bücher mit Fotos von Kastanien, Blüten, Bienen und anderen für die jeweilige Jahreszeit typischen Dingen ergänzt. Die Kinder finden das super und man kann beim Durchblättern gleich etwas erzählen.

Interview mit Jule Fischer von Kleine Monster

Dein Job ist also nicht mit der Übergabe der Fotos beendet. Du gestaltest auf Wunsch der Kunden auch fertige Produkte mit den im Shooting entstandenen Fotos. Dein Angebot reicht da von individuell gestalteten Dankeskarten und Collagen bis hin zu umfangreichen Fotobüchern. Gibt es ein Produkt, dass deine Kunden im Moment besonders mögen?

Die Geburtsanzeigen werden am häufigsten gebucht. Viele Familien möchten nach der Geburt ein paar Bilder der Neuankömmlinge haben, da finden sie es praktisch, gleich den ganzen Service mit den Karten zu bekommen und sich nicht selbst kümmern zu müssen. Vor Weihnachten kommen die Rezept- oder Bastelbücher super an. Ich fotografiere die Kinder oder die ganze Familie beim Backen, Kochen oder Basteln und die Familie gibt mir ihre Lieblingsrezepte oder Ideen mit. Das bringe in dann in einem Buch zusammen, was an Freunde und Bekannte zu Weihnachten verschenkt wird.

Uns gefällt deine Idee von thematischen Broschüren, welche du nach den Wünschen der Kunden individuell gestaltest und mit den Fotos des Shootings auffüllst. Welche Themen hast du da bisher umgesetzt?

Bisher habe ich die Jahreszeiten und die Rezepte umgesetzt. Auch eine Homestory bekommt von mir immer ein passendes Layout, wenn ein Buch daraus entstehen soll. Hier lasse ich dann lustige Sprüche einfließen, die währen des Shootings gesagt wurden oder Botschaften an den Beschenkten wie „schau mal Oma, ich kann jetzt die Schleife alleine“. Grundsätzlich sind natürlich noch viele Themen denkbar: Der Umzug ins Eigenheim, unsere Lieblingslieder, Geburtstagepartys, das erste Mal im Zoo. Eigentlich alles, was die Familie gerne macht oder was einen besonderen Moment darstellt.

Jule Fischer im Interview

Besonders mit Blick auf Weihnachten klingt das mit den Rezeptbüchern ja grandios. Tolle Idee – wir sind begeistert! Wird denn da auch Oma’s Familienrezept vom Vanillekipferl eingearbeitet?

Ja natürlich! Die Rezepte suchen die Kunden aus. Wir legen vorher fest wie dick das Buch werden soll und wie hoch die Auflage ist. Je nach Budget gibt es dann verschiedene Varianten. Format, Cover, Seitenzahl und so weiter. Ich kann die Familien natürlich nicht fotografieren, wie sie 10 verschiedene Kekse macht, die Fotos sind dann etwas allgemeiner gehalten, beziehungsweise zeigen was man so in etwa zwei Stunden alles backen kann. Aber jede Rezeptseite bekommt einige Fotos zugeordnet und wird durch allgemeine Bilder der Zutaten, des Teiges – oder was auch immer gerade passt – ergänzt.

Interview Jule Fischer

Für diese thematischen Broschüren brauchst du sicher eine Menge Bilder, die zum gewählten Thema passen und dennoch abwechslungsreich sind. „Storytelling“ ist wohl hier das richtige Stichwort. Hast du ein paar Tipps für unsere Leserinnen, wie man solche Geschichten fotografisch gekonnt einfängt?

Tatsächlich habe ich immer deutlich mehr Bilder, als ich für ein Projekt brauche. Das ist zum einen wichtig, damit der Kunde die Bilder selbst auswählen kann, zum anderen ergibt sich das aber auch einfach beim Shooting. Da die Kleinen meist schnell weg sind, die Augen oft zu oder der Finder plötzlich in der Nase, drücke ich natürlich öfter ab. Ansonsten kann ich nur empfehlen: Ausprobieren! Standorte wechseln, Perspektiven ausprobieren, zwischendurch mit dem Kind sprechen und schauen wie sich die Situation ändert. Ich bin immer gerne nah dran. Lege die Kamera auch mal weg um zuzuhören. Kinder fühlen sich ansonsten schnell gestört. Selbst wenn man nur „dabei“ ist, haben sie irgendwann keine Lust mehr auf die Kamera.
Der beste Tipp ist wirklich auf die Kinder einzugehen, sie selbst die Umgebung erkunden lassen und sich schon mal mit der Kamera „in Position“ bringen. Es hilft, die Situation um sich herum im Auge zu behalten. Als Elternteil hat man oft ein Gespür dafür, was gleich passiert. Wenn ich sehe, dass einer meiner Söhne einen großen Karton entdeckt hat, kann ich davon ausgehen, dass gleich beide darin sitzen; und wenn draußen ein Eichhörnchen hockt, drücken sie sich bestimmt gleich die Nasen an der Scheibe platt. Oftmals reicht auch schon ein kleiner Hinweis um eine neue Situation zu schaffen. Wenn ich mit einer Familie im Garten bin und sage „oh schau mal die Blume, duftet die eigentlich?“ hat man schon das nächste Motiv im Blumenbeet.

Interview Jule Fischer

Du bist selbst leidenschaftliche Mama zweier Jungs. Irgendwie stellen wir uns bei dir zu Hause gut gefüllte Fotoalben, personalisierte Geburtstagseinladungen und individuelle Kinderzimmerdeko vor. Alles das, was wir uns immer vornehmen, aber im turbulenten Alltag nicht schaffen umzusetzen. Hand aufs Herz: Wie verarbeitest du deine privaten Fotos?

Ha, erwischt! 🙂 Zur Geburt meiner Söhne habe ich mir ganz klassische Fotoalben gewünscht in die ich die Bilder kleben wollte. Sie waren bis zum 3. Geburtstag leer! Das ist tatsächlich etwas, zu dem auch ich nicht oft komme, denn irgendwie geht leider vieles andere vor. Wir haben aber Fotobücher von unseren Urlauben und ja, die Jungs bekommen individuelle Geburtstagseinladungen. Allerdings verkaufe ich diese dann auch im meinem Shop, somit zählt das nicht ganz. Sie haben Ich-Bücher und viele angefangene Projekte auf meiner Festplatte. Leider sind die meisten Ideen noch in meinem Kopf, denn ich bin niemand der bis Mitternacht bastelt, damit die Wanddeko endlich fertig ist. Aber meine Freunde können sich mittlerweile immer über selbstgestaltete Geschenke für ihre Kinder freuen.

Wie geht es in der Zukunft weiter mit den „Kleinen Monstern“? Hast du weitere Ideen für kreative Produkte, die schon auf ihre Umsetzung warten?

Als nächstes soll unbedingt mein Webshop fertig werden. Ich möchte ein paar meiner Kartendesigns auch ohne Fotografie anbieten. Kunden können mir dann ihre eigenen Fotos schicken, die ich etwas nachbearbeite damit sie schön zusammenpassen, und dann in die fertigen Designs setze. So kann ich gut auf Sonderwünsche eingehen. Außerdem habe ich ein paar Einladungskarten für Kindergeburtstage und wahrscheinlich auch DIY-Sets mit Stempeln und Karten. Gerade den pädagogischen Ansatz möchte ich noch etwas weiterverfolgen, aber da möchte ich noch nicht zu viel verraten.

 

Tausend Dank für den kleinen Einblick in deine Arbeit und die hilfreichen Foto-Tipps!

Wer sich nun auch so ein liebevolles Gesamtpaket mit Rundum-sorglos-Service wünscht, sollte sich unbedingt die Website von Jule Fischer „Kleine Monster“ anschauen. Die neuesten Projekte und weitere Referenzen findet ihr auch auf dem facebook-Account von „Kleine Monster“.

 

Jule Fischer, Kleine Monster, November 2016
Interview: Carolin Bartel
Fotos: Jule Fischer – Kleine Monster

You Might Also Like

Keine Kommentare

Schreibe eine Antwort