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Zu Besuch in Berlin bei der wundervollen Illustratorin Jenny von „Bär von Pappe“

Interview Bär von Pappe

Bei meinem letzten Gastspiel in Berlin besuchte ich Grafikerin Jenny in ihrem neuen kleinen Ladenatelier. Und was soll ich euch sagen: Es war genauso, wie man es sich in so einem Papeterie-Shop mit angeschlossenem Atelier vorstellt. Überall tollstes Papier. Kleine Wimpelketten und große Wabenbälle zur Deko. Stapelweise Karten, Kalender & Co. Und alles mit diesen tollen Illustrationen verziert. Das haben auch die Passanten bemerkt. So kam es, dass während meines Besuches kleine Mädchen staunend an der liebevoll gestalteten Ladenscheibe klebten. Oder Kundinnen mit einem Lächeln durch das kleine Ladenatelier stöberten.

Liebe Jenny! Herzlichen Dank, dass du dir heute Zeit für mich nimmst. Du hast dein kleines feines Label „Bär von Pappe“ genannt. Was bedeutet der Name für dich? Was steckt dahinter?

bär von pappe – das ist die Verbindung meiner Illustrationen auf altem oder recyceltem Papier. Der Name entstand aus einer Bären-Zeichnung, meiner Berliner Herkunft und meiner Liebe zu altem Papier, welches durch das nachhaltiges Konzept sozusagen durch das ‘von’ geadelt wird.

Interview Jenny "Bär von Pappe"

Wie kam es zur Gründung von „Bär von Pappe“?

Den Online-Shop bei DaWanda habe ich zu Beginn als Hobby neben dem Grafikdesign-Studium eröffnet. Das war Anfang 2013. Ich hatte so wahnsinnig viel altes Papier gehortet, für das ich mir nun eine Verwendung überlegen musste, da meine Schränke aus allen Nähten platzten. Und so habe ich Notizhefte, Umschläge und Etiketten aus unterschiedlichem Papier hergestellt. Nach und nach sind meine eigenen Illustrationen auf Postkarten, Geschenkanhängern und Postern dazugekommen. Mittlerweile bin ich hauptberuflich Illustratorin, Papeterie-Fetischistin und Schnickschnack-Liebhaberin.

In Zeiten von Online-Shops könntest du doch deine Sachen auch ganz einfach im Netz verkaufen. Warum hast du dich dennoch für deinen kleinen süßen Laden entschieden? Und dann gleich mit integriertem Atelier?

Ich bediene ja beide Kanäle:) Ohne Online-Shops, wie DaWanda und Etsy, wäre ich gar nicht da, wo ich jetzt bin. Sie sind eine super Möglichkeit, bekannter zu werden. Der Laden ist für mich eine Wohnzimmer-Erweiterung. Ich muss mich unbedingt wohl fühlen und mich heimelig fühlen an meinem Arbeitsplatz. Daher habe ich auch ein Sofa mit vielen Kissen und Wände mit vielen Bildern im Laden. Außerdem ist es super schön und sehr bereichernd, die Stammkunden mal persönlich kennenzulernen.

Interview "Bär von Pappe" in Berlin

Du beschreibst deinen Arbeitsablauf mit den Worten: „zeichnen – scannen – drucken – heften – schneiden“. Kannst du deinen kreativen Arbeitsprozess für uns ein bisschen ausführlicher erläutern?

Mein Arbeitstag beginnt mit Kaffee und einem gesunden Müsli. Dann werden die Online-Bestellungen verpackt (in der Weihnachtszeit dauert das manchmal fast den ganzen Tag). In den ruhigeren Abendstunden zeichne ich gern. Die Illustrationen werden dann eingescannt und lassen sich am Computer dann bearbeiten. Ich stelle die Bildchen frei, d.H. ich entferne mit einem digitalen Radierer den Papierhintergrund, auf dem ich gezeichnet habe. So kann ich die Zeichnungen dann frei auf einer Seite platzieren und verschieben. Dann werden die neuen Kreationen gedruckt und mit Nadel und Faden gebunden. Nach dem Binden werden 3 Seiten mit einer Hebelschneidemaschine begradigt. Zu Beginn habe ich alle Hefte, wie die Schwangerschaftstagebücher, so hergestellt. Mittlerweile lasse ich sie als richtig feste Hardcover-Bücher herstellen.

Interview Jenny in Berlin

Du zeichnest besonders viele Tiere und Pflanzen. Wie kommst du auf neue Motive und Produkte? Was inspiriert dich?

Ich suche mir immer ein Hauptthema und scribble erstmal drauf los. Alles was mir so einfällt, z.B. zum Thema Afrika. Dann nehme ich mir einen schönen Tierbildband und schaue, wie so ein Stachelschwein oder eine Bananenpalme denn genau aussieht. Und das verfremde ich dann wieder in meinem Stil.

Dein besonderer Stil ist nicht nur an den Zeichnungen erkennbar, sondern auch in der Auswahl der Materialien. Mit welchen Materialien arbeitest du am liebsten?

Ich vergöttere meinen Aquarell-Kasten von Schminke. Zu Beginn habe ich viele verschiedene Zeichentechniken ausprobiert, wie z.B. den Schabekarton. Aber mein Herz habe ich an die Wasserfarben verloren. Es entstehen immer so wundervolle Überraschungen, wenn die Farbe trocknet.

Interview Jenny "Bär von Pappe" Berlin

Wir haben uns sofort in deine wundervoll illustrierten Fotoalben wie das Schwangerschaftstagebuch und das Babybuch verknallt. Was ist die Idee dahinter? Worauf sollten Mütter beim Befüllen der Bücher achten?

Als die erste Freundin schwanger wurde, habe ich festgestellt, dass es nur schrecklich verkitschte, lieblose Babybücher gibt. Ich wollte etwas frecheres, lockeres machen. Und mich persönlich haben die leeren Seiten abgeschreckt, daher habe ich immer viel an Inhalt vorgegeben, wie eine Art Lückentext. Aber es gibt trotzdem viel Platz, um ausführlicher zu werden. Daher gibt es gar nichts zu beachten, du kannst einfach loslegen. ABER: nehmt keinen Flüssigkleber, das lässt das Papier ganz doof wellig werden.

Interview Jenny "Bär von Pappe" Berlin

Ganz fantastisch finden wir auch deinen Nachhaltigkeitsgedanken. Zum Beispiel stellst du aus übrig gebliebenem Papier- und Bastelkram neue Scrapbooking-Sets zusammen. Machst du selbst gern Scrapbooking? Was magst du daran?

Meine Skizzenbücher sind meine Tagebücher. Ich schreibe nicht gern über meinen Tag, sondern suche gern stellvertretend kleine Fundstücke, die ich einklebe. Es ist wundervoll durch ein 2 Jahre altes Buch zu blättern, sich zu erinnern und durch die kleinen Schnipsel wieder das Gefühl von damals zu haben.

Interview Jenny "Bär von Pappe" Berlin

Es gibt unzählige Möglichkeiten ein persönliches Scrapbooking-Fotoalbum zu gestalten. Hast du ein paar Tipps, Tricks und Kniffe für unsere Leserinnen, wie ein Scrapbooking-Album auf jeden Fall gelingt?

Ich persönlich finde es wichtig, nicht alles vollzukleben. Lieber akzentuiert ein paar Bordüren oder Stanzteile. Und das farblich alles harmonisch ist. Daher stelle ich meine Sets auch immer so zusammen, dass alles wie aus einem Guss wirkt. Z.B. ein maritimes Set aus blauen, roten und weißen Elementen, mit Streifen, Fischen und Ankern. Ahoi.
Mit den Sets kann man übrigens auch super die Kleinen an einem verregneten Sonntag beschäftigen.

Interview Jenny "Bär von Pappe" Berlin

Welche deiner Produkte sind ebenfalls für Familien geeignet? Und was planst du für die Zukunft?

Ui, ganz viel. Ich fühle mich in der halb Kinder/ halb Erwachsenen-Welt pudelwohl:) Es gibt Kuscheltiere, einen Stammbaum, in den die Kinder selber rein malen können, ein ABC Poster. Es wird eine Weltkarte geben, an der ich schon sehr lange arbeite, da sie super wimmelig-voll werden wird. Für die Großen wird es nächstes Jahr ein Hochzeitstagebuch geben und sooo vieles mehr:) Mein Tag dürfte ruhig ein paar Stunden mehr haben, damit ich all meine Ideen umsetzen kann.

Vielen Dank, Jenny!

Wer noch auf der Suche nach einem kleinen Geschenk für die schwangere Freundin ist, findet in Jennys DaWanda Shop „Bär von Pappe“ die liebevoll gestalteten Fotoalben für Schwangerschaft und Babyzeit. Wer Jenny einfach mal beim Zeichnen über die Schultern schauen will, besucht sie ganz einfach in ihrem Ladenatelier in der Wissmannstraße in 12049 Berlin. Über neue Produkte und Motive berichtet Jenny natürlich bei facebook.

 

Jenny Boidol, Bär von Pappe, November 2016
Interview & Fotos: Carolin Bartel

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