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Interview mit Kathrin Stahl: Fotos sind Liebesbriefe an eure Kinder

Interview Familienfotografin Kathrin Stahl

Kinder- und Hochzeitsfotografin Kathrin Stahl sagt: „Zeit mit Kindern ist Jetzt-Zeit. Viele kleine und große “Jetzt”, die viel zu schnell vorübergehen.“ Die Fotografin aus Hamburg will genau diese „Jetzt“ für ihre Kunden in authentischen und lebendigen Fotos festhalten. Wie sie das macht, verrät sie uns heute im Interview. Die Mama von drei großen Kindern erzählt über ihren Weg zur Fotografie und ihre Liebe zu Familienfotos.

 

Liebe Kathrin. Welche drei Wörter beschreiben dich am besten?

Lebenslust, Sonne, Kinderlachen

 

Seit wann fotografierst du und welchen Stellenwert hat die Fotografie für dich?

Meine ersten Fotos machte ich als Kind mit einer alten Kamera meines Vaters. Aber einfach Drauflosknipsen war nicht. Ihm war wichtig, dass ich gleich die Bedeutung von Tiefenschärfe verstehe und verbrachte Stunden mit mir, um mir zu zeigen, was wann wie funktioniert. Danach war ich bereit für lange Spaziergänge, die ich mit dem Fotografieren von Blumen, Feldern und Pflastersteinen verbrachte. Entwickelt haben wir in der eigenen Dunkelkammer. Was für ein Abenteuer.

Seitdem begleitet mich die Fotografie durchs Leben und ist ein ganz wichtiger Bestandteil meiner Tage. Wenn ich schöne Dinge sehe, muss ich sie einfach fotografieren. Das kann die Morgensonne auf meinem Kaffeebecher sein, oder ein Stück Melone, in die mein Sohn gerade genüsslich gebissen hat. Solche Fotos erzählen mir und uns auch in vielen Jahren noch die Geschichte dieses einen Augenblicks. Und dann sind da natürlich noch die wundervollen Fotosessions für meine tollen Kunden, die ich so sehr liebe. (Worauf sich das „die“ bezieht, könnt ihr euch jetzt aussuchen.)

Interview Lifestyle Fotografie Kathrin Stahl

Wie würdest du deinen fotografischen Stil beschreiben? Und wie hast du diesen Stil gefunden?

Mein Stil ist in allererster Linie dokumentarisch. Diesen Stil habe ich nicht „gefunden“, sondern er kam irgendwie zu mir, weil er mir so sehr entspricht: Ich bin der festen Überzeugung, dass echte, nicht gestellte Momente in der Fotografie später die schönsten Erinnerungen wachrufen.
Stellt euch vor: Euer Kind schlägt in vielen Jahren ein Fotobuch auf, in dem Fotos die Geschichte eines ganz normalen Tages bei euch Zuhause – oder bei einem Ausflug-  erzählen. Die ganze Liebe, in die es da eintauchen kann: Ist das nicht wundervoll? Diese ganz natürliche Familienfotografie heißt bei mir life.story, weil die Bilder etwas über EUER echtes Leben erzählen, so wie es ist.

Aber: ich liebe es auch, Fotos von Kindern vor der Leinwand zu machen.
Auch hier möchte auf keinen Fall Gestelltes zeigen. Diese Art der Fotografie nenne ich its.me: Die Eltern sollen ihr Kind auf den Fotos erkennen. Wozu brauchen wir ein gekünsteltes Kinderlachen – Stichwort „Ameisenhaufen“? – wenn das echte, das ganz tief aus dem Herzen kommt, doch viel schöner ist.

Und dann gibt es da noch diese ruhigen Bilder, die mein Herz (und glücklicherweise auch das der Eltern) ganz besonders berühren: Ruhe, Träumen, Augen schließen. Es macht mich immer ganz glücklich, wenn ein Kind mir dieses Vertrauen schenkt.

Schwarz-Weiß-Fotografie mit Kindern von Kathrin Stahl

Schwarz-Weiß-Fotografie mit Kindern von Kathrin Stahl

Besonders bei deinen Kinderportraits “its.me” und deinen Reportagen “life.story” fotografierst du ganz gern mal in Schwarz-Weiß. Warum entscheidest du dich hier immer wieder für diese Art der Bildbearbeitung?

Aus unterschiedlichen Gründen. Der erste ist, dass ich Schwarz-Weiß Fotos einfach liebe, wenn das Licht stimmt. Schwarz-Weiß Fotos können eine besondere Tiefe haben.

Bei its.me bewegt mich das künstlerische, das die Bilder durch das Zusammenspiel von Unschärfe, Lichtsetzung und Schwarz-Weiß bekommen.
In meiner analogen Kamera liegt bei its.me Shootings ausschließlich ein Schwarz-Weiß Film. Die digitalen Fotos bearbeite ich im Nachgang in einem kontrastreichen Schwarz-Weiß.

Bei life.story sind es meist die ganz nahen Momente, bei denen ich mich für Schwarz-Weiß entscheide: wenn die kleine Tochter ihrem Papa tief in die Augen schaut, soll kein bunter Puppenteller im Hintergrund davon ablenken. Und ein bunter Bucheinband nicht von der Innigkeit eines Vorlesemoments.

Familienfotografin Kathrin Stahl über Kinderfotos

Wenn Mama liebevoll das Köpfchen ihres Babys in Händen hält, während die große Schwester und Papa ein wenig gelangweilt daneben sitzen, möchte das Foto die Geschichte dieses besonderen Familienmoments erzählen. Welche Farbe die T-Shirts hatten, ist nicht wichtig.

Familienfotografin Kathrin Stahl über Kinderfotos

Wenn die Familie zusammen auf der Wiese herumtobt, soll der Betrachter die ganze Lebensfreude spüren, die ihm aus den Fotos entgegenspringt und dabei nicht vom grün satter Wiesen abgelenkt werden.

Familienfotografin Kathrin Stahl über Kinderfotos

Und bei deinen life.style Bildern darf es dann auch mal bunt sein?

Oh, bunt darf es auch in einer life.story zugehen. Aber es muss halt zur Geschichte der Familie und zum jeweiligen Augenblick passen.

Zum Beispiel, wenn die Sonne gerade ganz wundervolles Licht zaubert.

Familienfotografin Kathrin Stahl im Interview über Lifestylefotografie mit FamilienUnd wenn ich von einer süßen Familie am Morgen in farblich ganz wunderhübsch aufeinander abgestimmten Schlafanzügen empfangen werde und das alles dann auch noch zur Einrichtung passt, gibt es wenig Grund in schwarz-weiß zu arbeiten…

Interview Familienfotografin Kathrin Stahl
Familienfotografin Kathrin Stahl im Interview über Lifestylefotografie mit Familien

Interview Familienfotografin Kathrin Stahl

…. außer vielleicht für eine kleine liebevolle Geste

Familienfotografin Kathrin Stahl im Interview über Lifestylefotografie mit Familien
Life.style Sessions sind da ganz anders. Es sind sorgfältig vorbereitete, gemeinsam mit den Eltern durchdachte Shootings, bei denen es um ein Thema geht, das das Kind oder die Kinder gerade zu dem Zeitpunkt ganz besonders lieben. Zum Beispiel eine Teeparty mit den kleinen Freundinnen. Im Vorfeld entwerfe ich ein stimmiges Licht- und Farbkonzept zum Thema. Bei der Teeparty hatten wir pastellige Farben und sanftes Tageslicht. Die Farbe war Teil der Idee.

Lifestylefotografie mit Kathrin Stahl

Lifestylefotografie mit Kindern von Kathrin Stahl - Teeparty mit Mädchen

Natürlich kann bei life.style aber auch mal eine Geschichte in Schwarz-Weiß entstehen. Zum Beispiel mit einem jungen Mädchen, das alte französische Filme liebt. Oh, jetzt, da ich davon erzähle, würde ich das am liebsten sofort umsetzen. Will jemand?

 

Wenn du mit deiner Fotografie noch einmal ganz von vorne anfangen könntest: Was würdest du aus heutiger Sicht anders machen?

Ich würde die schrecklichen Filter, die ich ganz zu Beginn meiner Fotografinnen-Laufbahn über die Fotos geklatscht habe, aus meinem Leben verbannen – und überhaupt aus der Welt.

 

Viele unserer Leserinnen sind junge Mütter. Da fällt es manchmal sehr schwer, Zeit für das geliebte Hobby der Fotografie zu finden. Wie gelingt es dir die Fotografie in den Alltag zu integrieren? Hast du als dreifache Mama ein paar Tipps für uns?

Mir hat es geholfen, mir selber die Frage zu beantworten: Was möchte ich mit meiner Fotografie? Was wird mir und meinen Kindern als Erinnerung wertvoll sein? Das ermöglicht einen guten Fokus auf das Wesentliche und verhindert, dass wir 50 Fotos am Tag machen, die dann womöglich doch nur auf unserer Festplatte sitzen.

Schön ist es auch, sich selber ein kleines Projekt auszudenken.

Wie wäre es mit „365er Projekt – Ein Foto am Tag“? Sucht euch einen bedeutenden Moment pro Tag. Ein frischer Blumenstrauß, das Pausenbrot, das ihr für euer Kind heute mit besonders viel Liebe gemacht habt, ein neues Spielzeug in der kleinen Hand eures Kindes, die Sonne, die durch die Bäume schimmert, während ihr gemeinsam am See liegt… Das Tolle an solch einem Projekt ist, dass es uns in all der Hektik hilft, die schönen Dinge, die wir mit unseren Kindern erleben, wahrzunehmen. Wenn euer Kind schon größer ist, könnt ihr es bei dem „Momente-finden“ helfen lassen. Am Ende des Jahres gestaltet ihr mit diesen 365 Momenten ein kleines Buch.

Lifestylefotografie Kathrin Stahl

Wichtig: die Kamera muss griffbereit sein. Wenn ich, bevor ich ein Foto machen kann, erstmal alles aus einer Tasche hervorkramen muss, wird es zu aufwendig. Hier gilt aber: Die beste Kamera ist immer die, die gerade in der Nähe ist. Das kann dann auch einfach mal das Handy sein.

Ebenso schwierig, wie die Fotografie in den Alltag zu integrieren, finde ich es, im Urlaub gerade so viel zu fotografieren, dass auch die Familie noch Spaß daran hat. Vielleicht kennt ihr das auch, dass es für die Familienstimmung nicht immer förderlich ist, wenn nur einer fotografiert und die anderen entweder keine Lust mehr haben fotografiert zu werden, oder sie nicht warten möchten, bis das Licht perfekt ist … Da kann ein kleiner Begleiter helfen: Mein jüngster Sohn und ich haben uns vor einigen Jahren ein Projekt ausgedacht, das unsere gesamte Familie verbindet. Damals hatte ich ihm aus dem MoMA Design Store in New York ein kleines Drahtmännchen mitgebracht: Adam fährt seitdem mit uns in fast jeden Urlaub und die ganze Familie sucht nach geeigneten Plätzen, an denen Adam es sich bequem machen kann. Da wird sogar eine Tour durch Rom für einen 12-Jährigen erträglich.

 

Warum ist es so wichtig auch den chaotischen und stinknormalen Alltag der Familie fotografisch zu dokumentieren?

Meine Kinder sind nun schon größer und aus dieser Perspektive kann ich sagen: Die Jahre sind viel zu schnell vergangen und ich vermisse diesen chaotischen Kleinkinderalltag. Unsummen würde ich dafür ausgeben, eine Fotogeschichte zu haben, die unseren Alltag zeigt, so wie er damals war. Deshalb treibt mich die Vergänglichkeit der wertvollen Momente so sehr an. In meinen Familien-Reportagen erzähle ich für Familien von all den kleinen Momenten, die uns als Eltern jetzt so selbstverständlich erscheinen und die unseren Kindern später einmal so viel bedeuten werden.

Es ist ja meist so, dass wir in unserem Rennen durch den Alltag gar nicht merken wie viel Bedeutendes in kleinen Gesten steckt: Wie viel Zärtlichkeit in einer Berührung, wie viel Liebe im Trocknen von Kullertränchen, wie viel Hingabe für unsere Kinder im Fußballspielen im Garten. Ein zärtlicher Blickwechsel beim Vorlesen vergeht zu häufig unerinnert. Das alles hält eine Reportage für die Ewigkeit fest. Ist das nicht unglaublich wundervoll?

Aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum gerade Mamas, die gerne fotografieren, sich und ihrer Familie ab und an eine Familienreportage gönnen sollten.
Es sei denn, ihr kennt das nicht, dass man beim Durchblättern der Fotoalben denken könnte, dass ihr eigentlich nicht dabei wart im Urlaub, ja, dass ihr auch keine Geburtstage mitgefeiert habt, kein Weihnachten. Und bei Ausflügen an Nachmittagen oder am Wochenende war die Familie sowieso ohne euch unterwegs… In einer Fotoreportage kommt ihr garantiert alle vor.

Interview Familienfotografie Kathrin Stahl

Was ist das Schönste am Leben mit Kindern?

Lachen, vorlesen, gemeinsam die Welt erkunden, ihr Aufwachsen begleiten und ihnen dabei ganz viel Liebe mit auf den Weg geben.

 

Du sagst auch: „Fotos sind Liebesbriefe an eure Kinder, die sie in vielen Jahren immer wieder öffnen werden.“. Worin liegt dieser besondere Wert von Fotos?

Es gibt ein Foto aus einem unserer Familientage, das mir sehr am Herzen liegt: Es zeigt meinen Mann und meinen Sohn, wie sie Hand in Hand durch den Wald gehen. Darin steckt so vieles: Nähe, Zärtlichkeit und: „Ich zeige Dir die Welt“. All das wird unser Sohn später einmal darin erkennen können. (Und wer weiß, was noch alles.)

Viele Fotos haben diese Botschaft der Nähe und Liebe, in die wir unsere Kinder hüllen, damit sie gut ins Leben starten. Liebeserklärungen, die in Fotos versteckt sind, sagen oft mehr als tausend Worte.

 

Vielen Dank für das Interview liebe Kathrin!
Ich danke dir, liebe Caro!

Familienfotografin Kathrin Stahl hat eine Wanderausstellung mit fantastischen Kinderfotos. Auf ihrer Website erfahrt ihr immer den aktuellen Ausstellungsort. Und natürlich solltet ihr Kathrin auf facebook und instagram folgen, um mehr über ihre neuesten Arbeiten und Projekte zu erfahren.

 

Kahtrin Stahl, November 2017
Interview: Carolin Bartel
Fotos: Kathrin Stahl
Titelfoto: Annie Rohse

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