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Kristina Koehler im Interview über gefühlvolle Portrait- und Familienfotografie

Interview Babyfotografin Kristina Koehler

Wieder einmal bin ich bei instagram über eine mir bisher unbekannte Familienfotografin gestoßen: Kristina Koehler aus Neuss bei Düsseldorf. Ich war so angetan von ihren intimen Bildern, die auf so wundervoller Weise die Vertrautheit in den Familien einfängt, dass ich sie sofort um ein Interview gebeten habe. Ich wollte mehr erfahren über ihre Fotos von Babybäuchen, Neugeborenen, Kindern, Familien und Tieren. Und ich wollte ihr ein paar Tipps zur Familienfotografie entlocken. 

 

Liebe Kristina. Was sollten unsere Leserinnen zum Einstieg über dich wissen?

Ich bin 32 Jahre alt, habe einen 15 Monate alten Sohn und habe in meinem Leben schon vieles gemacht – Psychologiestudium, Bürojob als HR Managerin in einer Agentur, Kreativbloggerin und und und. Die Liebe zur Fotografie und dem kreativen Arbeiten an sich zieht sich wie ein roter Faden durch meine bisherigen Lebensabschnitte.

Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch seines eigenen Glückes Schmied ist. Wer ein Ziel vor Augen hat und dieses unbeirrbar verfolgt kann alles erreichen.

Babyfotografin Kristina Koehler im Interview über natürliche Familienfotografie

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Ich bekam mit 14 Jahren meine erste eigene Kamera und ab da hatte es mich gepackt. Ob Farbe oder schwarz-weiß, ich bin immer mit vielen Rollen Film im Gepäck gereist. Von der analogen Knipskamera über die alten Olympus Spiegelreflexkameras meines Vaters bis hin zu Lomografie und Mittelformatfilm mit eigenem schwarz-weiß Labor – ich habe alles ausprobiert.

Seit einigen Jahren konzentriere ich mich (vor allem aus Zeitgründen) auf die digitale Fotografie. Ich bin allerdings immer noch davon überzeugt, dass man Bilder vor allem ‚analog‘ braucht – an der Wand oder im Fotoalbum auf dem Couchtisch sieht man sie jeden Tag und erfreut sich daran. Erinnerungen sind zu schade, um vergessen auf einer Festplatte zu verstauben. Aus diesem Grund biete ich meinen Kunden neben digitalen Dateien auch die Möglichkeit, ihre Bilder zum Beispiel gedruckt auf langlebigen Baumwollpapieren oder in leinengebundenen Fotoalben zu erwerben.

Babyfotografin Kristina Koehler im Interview über natürliche Familienfotografie

Warum hast du dich dazu entschieden andere Familien zu fotografieren und die Fotografie sogar zu deinem Beruf zu machen? Wann war das?

Schon während meines Studiums vor ca. 10 Jahren habe ich angefangen, kleinere Fotoshoots mit Familie und Freunden zu machen. Trotzdem suchte ich erst einmal den Jobeinstieg in meiner Studienspezialisierung. Selbstständig sein war mir zu unsicher und ich war zu dem Zeitpunkt noch zu unerfahren.

Nach einiger Zeit im Job wusste ich, es fehlt etwas, ich kann nicht ohne die Fotografie, ich muss das wagen. 2012 habe ich schließlich mein Gewerbe angemeldet.

Ich habe zunächst viel Verschiedenes fotografiert – neben Familien und Portraits auch viel Tiere, Businessfotos, Hochzeiten. Im Laufe der Zeit wurde mir immer klarer, an die Familienfotografie habe ich mein Herz verloren. In liebevollen, sehr persönlichen Bildern die erwartungsvolle Schwangerschaft, die ersten zarten Wochen mit einem Baby und die wilden Jahre mit kleinen Kindern dokumentieren zu dürfen ist ein Privileg. Meine Bilder fangen eine sehr sinnliche, intensive Zeit ein – Erinnerungen, die im Laufe der Jahre immer kostbarer werden, nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kinder.

Interview Familienfotografin Kristina Koehler Fotografie

Du bist also studierte Psychologin. Hat das einen Einfluss auf deine Fotografie? Nimmst du Augenblicke, Beziehungen und Emotionen in den Familien durch dein psychologisches Hintergrundwissen anders war?

Ich bin von Natur aus ein feinfühliger Mensch und ‚sehe‘ vieles, was anderen vielleicht entgeht. Das macht es mir leichter, Augenblicke und Momente so auf Bildern festzuhalten. Meine Kunden sind oft völlig überrascht, wie gefühlvoll und vertraut ich sie gesehen und eingefangen habe.

Das Studium hat mich vermutlich zusätzlich für bestimmte zwischenmenschliche Interaktionsweisen sensibilisiert. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass man diese Intuition nicht durch theoretisches Wissen schärft, sondern durch Beobachten von und Interagieren mit vielen verschiedenen Menschen. In dieser Hinsicht hat mich mein HR Job vermutlich intensiver geprägt als das Studium!

Babyfotografin Kristina Koehler im Interview über natürliche Familienfotografie

Mit welchen drei Wörtern würdest du deinen fotografischen Stil beschreiben?

Liebevoll. Persönlich. Pur.

 

Dir gelingt es immer wieder mit deinen Fotos die emotionalen und intimen Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern zu dokumentieren. Wo liegt dein Geheimnis?

Zum einen ist es einfach jahrelange Übung darin, Momente zu sehen und im richtigen Augenblick den richtigen Ausschnitt im richtigen Licht festzuhalten.

Zum anderen plane ich jeden Fotoshoot individuell und intensiv. Ich fahre nicht nur hin und fange an zu knipsen, sondern lerne meine Kunden in einer Vorbesprechung persönlich kennen und erfahre viel über sie und ihre Beziehung zueinander, zu ihren Kindern und zu ihrer aktuellen Lebenslage. Darauf aufbauend überlege ich mir, auf welche Augenblicke und Gefühle ich im Fototermin den Fokus legen möchte, welche Gesten und Interaktionen diese besonders gut ausdrücken und wie ich meine Kunden mit gezielten, sanften Anweisungen dahin bringe, dass diese Gefühle besonders sichtbar werden.

Interview Familienfotografin Kristina Koehler Fotografie

Liegt das Geheimnis deiner emotionalen Fotos vielleicht auch in der Bildbearbeitung? Du fotografierst ja viel mit Licht und Schatten. Wie bearbeitest du die Bilder anschließend, damit sie diesen speziellen Look bekommen?

Ich bearbeite alle Bilder in Lightroom. Natürlich kann man mit der Bildbearbeitung noch etwas herausholen und den Fotos den letzten Schliff geben. Ich arbeite mit Presets als Basis und passe dann individuell Belichtung, Kontraste, Farben etc. an – die komplette Arbeitspalette in Lightroom aufzuzählen würde an dieser Stelle zu weit führen.

Zuallererst aber muss das Ergebnis direkt ‚in der Kamera‘ stimmen, sonst bringt auch die beste Software nichts. Als Fotograf muss man in meinen Augen neben der technischen Komponente vor allem das Licht beherrschen, es wahrnehmen und gezielt und vielfältig einsetzen können. Das ist nicht einfach. Man muss sich darin schulen, etwas zu sehen, was anderen Menschen verborgen bleibt.

Ich arbeite ausschließlich mit Tageslicht, sowohl für Indoor als auch Outdoor Aufnahmen. Bei meinen Kunden zu Hause muss ich beim ersten Gang durch die Wohnung sofort sehen, wo es passen könnte und wo nicht. Manchmal sind das ganz ungewöhnliche Orte. Einige meiner schönsten Bilder sind zum Beispiel im Badezimmer, halb in der Dusche stehend entstanden, weil dort das Licht gerade perfekt war.

Babyfotografin Kristina Koehler im Interview über natürliche Familienfotografie

Du bietest als Themen Fotoshoots auch „Sunday Sessions“ an. Dabei dokumentierst du ganz natürlich und ungestellt Familien an einem gemütlichen Sonntag. Warum sind diese Shootings was ganz Besonderes?

‚Dein Alltag ist ihre Kindheit‘ ist einer meiner Lieblingssprüche.

Wir kennen alle die typischen Familienfotos aus dem Studio. Die, wo wir in 15 Jahren über die fürchterliche Mode ‚von damals‘ lachen.

Aber was wollen wir wirklich mit Familienfotos bezwecken? Wir brauchen eine visuelle Erinnerung an eine besondere Zeit in unserem Leben. Eine Zeit, als wir noch jung und knackig waren vielleicht. Eine Zeit, in der wir überwältigt waren von der schieren Menge an Emotionen, die jeder einzelne Tag bereithielt. Der unvergleichliche Milchduft eines kleinen Babys und die Tage, die wir so müde ausschließlich mit Füttern, Windeln wechseln und schlafen gefüllt haben. Die Zeit, als die Kids noch klein waren, mit schlafverstrubbelten Haaren und nackten Füßen sonntags morgens ins Elternschlafzimmer stapften und mit viel kuscheln und kitzeln der Tag begann.

DAS sind die Erinnerungen, die uns und unsere Familie in ihrer Einzigartigkeit festhalten und die wir uns in 10, 20, 30 Jahren mit einem etwas wehmütigen Lächeln anschauen. Das sind die Bilder, die die Kindheit unserer Kinder einfangen.

Solche Bilder aus meiner eigenen Kindheit besitze ich dank meines Vaters, der sein Hobby nie zum Beruf machte. Meinen Kunden möchte ich solche Erinnerungen ebenso ermöglichen.

Babyfotografin Kristina Koehler im Interview über natürliche Familienfotografie

Welche Tipps hast du für unsere Leserinnen, die den Sonntag mit ihrer Familie selbst fotografisch begleiten wollen?

Nimm dir am Tag vorher eine ruhige Minute (ok, eher 15 ruhige Minuten) und setz dich mit Stift und Papier an den Tisch. Was ist das eine Wort, das deine Familie in diesem Augenblick in eurem Leben am besten beschreibt?

Unter dieses Wort schreibst du nun alle alltäglichen Momente, Tätigkeiten und Situationen auf, die für dich zu diesem Wort passen. Gehe sie im Kopf durch, stelle sie dir vor. Wie würdest du sie in Bildern dokumentieren?

Wenn du am Sonntag mit der Kamera in der Hand deine Familie begleitest, denke die ganze Zeit an dein Zauberwort. Lass Situationen entfalten und dokumentiere die Kleinigkeiten, die dein Wort ausdrücken. Falls notwendig gib kurze Anweisungen, aber versuche nicht konkrete Situationen zu stellen (glaub mir, das funktioniert mit Kids sowieso nicht).

 

Wohin wird sich die Familienfotografie in den nächsten Jahren entwickeln?

Ich glaube und hoffe, dass wir mehr natürliche Fotografie sehen werden, in den eigenen vier Wänden, losgelöst von einer einheitlichen Studioatmosphäre. In der Fotografenszene nennt sich das ‚lifestyle photography‘ und wird zum Glück immer beliebter.

Außerdem hoffe ich sehr, dass eine Rückbesinnung stattfindet auf das gedruckte Bild. Derzeit macht sich kaum jemand die Mühe, seine Bilder auf langlebigen Papieren mit UV-beständigen Pigmenten drucken zu lassen. Die CDs und JPEGs von heute werden in 20 Jahren sehr wahrscheinlich unlesbar sein, wenn man sie denn überhaupt noch in einer Kiste oder auf der Festplatte wiederfindet. Eine ganze Generation wird dadurch ihrer Familienerinnerungen beraubt. Das macht mich traurig.

Ich selbst besitze Babyfotos meines Vaters aus den 1950er Jahren, Aufnahmen meines Großvaters aus dem zweiten Weltkrieg und Portraits von Vorfahren aus dem ersten Weltkrieg. Familienfotos sind das kostbarste materielle Gut, das wir unseren Kindern mitgeben können.

Babyfotografin Kristina Koehler gibt Tipps zur Fotografie

Wo siehst du dich selbst mit deiner Fotografie in 10 Jahren? Und privat?

Ich habe noch so viele Pläne! Zum einen arbeitet man natürlich immer daran, sein Unternehmen noch bekannter und erfolgreicher zu machen. Zum anderen habe ich in kreativer Hinsicht viele Ideen und Entwicklungsmöglichkeiten in der Fotografie. Mein aktuelles Angebot der Themenfotoshoots ist ein erster Schritt in diese Richtung. Als Künstler ist man vermutlich nie zu 100% mit seiner Arbeit zufrieden, man möchte immer besser und individueller werden.

Privat bin ich Mutter eines wundervollen kleinen Sohnes, dem ich viel Zeit widmen und eine schöne, naturnahe Kindheit voller magischer Momente ermöglichen möchte. Ich versuche sehr reduziert zu leben, vieles selbst und per Hand zu machen, Gemüse im Garten zu ziehen etc. Diese Lebensweise möchte ich intensivieren und meinen Kindern mitgeben.

 

Tausend Dank Kristina für dieses persönliche Interview!

Das gesamte Portfolio von Familienfotografin Kristina Koehler findet ihr auf ihrer Website. Dort findet ihr auch weitere Ideen für Themenshoots, falls Kristina eure Familie nun mal besuchen soll. Regelmäßige News von Kristina und ihrer Arbeit gibt es bei facebook. Zusätzlich bekommt ihr auf dem instagram-Account von Kristina stets die aktuellsten Fotos zu sehen.

 

Fotografie Kristina Koehler, Juli 2017
Interview: Carolin Bartel
Fotos: Fotografie Kristina Koehler

 


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