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Geburtsfotografie: abschreckend oder wunderschön? Fotografin Danny Merz spricht im Interview offen über Vorurteile und ganz tiefe Emotionen

Geburtsfotografin Danny Merz im Interview

Bei mir steht die fotografische Begleitung einer Geburt ganz oben auf meiner persönlichen „Photo Wish List“. Für Geburtsfotografin Danny Merz aus Hamburg ist die Arbeit im Kreißsaal inzwischen Alltag. Sich während der Geburt fotografieren zu lassen ist dennoch ein sehr ungewöhnlicher Gedanke bei deutschen Müttern. In den USA schon seit Jahren etabliert, ist die Geburtsfotografie hier noch recht unbekannt und mit Skepsis bedacht. Wir sprechen mit Danny über die Vorurteile, den Ablauf einer solchen Reportage und ihre eigenen Gefühle beim Fotografieren einer Geburt.

 

Liebe Danny! Wir sind so froh, dass du uns ein wenig von deiner ungewöhnlichen Arbeit als Geburtsfotografin erzählen möchtest. Vielleicht stellst du dich erst mal ein bisschen vor und berichtest uns, wie du ausgerechnet zur Geburtsfotografie gekommen bist.

Hallo Carolin & Ilka – ich bedanke mich sehr für eure Einladung zu diesem Interview!! Es ist toll, dass die fotografische Geburtsbegleitung nach und nach auch bei uns mehr Beachtung findet!

Ich bin schon vor vielen Jahren auf die Arbeit einer amerikanischen Fotografin aufmerksam geworden, die damals hauptsächlich Hausgeburten begleitet hat. Das hat mich sehr fasziniert. Ihre Fotos waren so innig, emotional und haben die Geschichte des Geburtstages eines neuen Menschenkindes so berührend erzählt – ich glaube, ich hatte vorher noch nie so schöne und ästhetische Aufnahmen von einer Geburt gesehen.

Mich packte sofort die Lust das auch zu versuchen, allerdings kamen mir zunächst diese kleinen „aber-Biester“ – die wahrscheinlich die meisten von uns kennen – in die Quere. Vor allem hatte ich Zweifel, ob hier in Deutschland überhaupt jemand an Geburtsfotografie Interesse haben könnte, auch weil hier z.B. weniger Frauen zu Hause gebären und im Krankenhaus sicher niemand eine Fotografin dabei haben wollen würde… Und ehe ich mich versah, hatten meine Bedenken die Oberhand gewonnen und ich ließ die Idee zunächst schleifen.

Geburtsfotografin Danny Merz Interview

Bis ich einige Jahre später erneut zu recherchieren begann und feststellte, dass es nicht nur in den USA mittlerweile noch deutlich mehr Geburtsfotografen gab, sondern die Geburtsfotografie auch langsam in Europa anzukommen schien.

Da sich in der Zwischenzeit auch herauskristallisiert hatte, dass mein Herz besonders für die dokumentarische Fotografie schlägt, habe ich alle Zweifel beiseite geschoben und beschlossen, es auszuprobieren. Zu meinem eigenen Erstaunen hatte ich wenige Wochen später bereits Familien gefunden, die Interesse hatten. Und so durfte ich „meine“ ersten zwei Geburten – die dann innerhalb von weniger als 36 Stunden stattfanden – begleiten. Das sollte eine Art Testlauf für mich sein. Denn ich wollte die fotografische Geburtsbegleitung erst dann offiziell anbieten, wenn ich ganz sicher war, dass ich das machen möchte. Danach war ich sehr sicher.

Was ich sonst noch mache? Ich lebe und arbeite zurzeit in Hamburg. Neben der Geburtsfotografie liegt mein Schwerpunkt auf der dokumentarischen Kinder- und Familienfotografie. Daneben biete ich noch entspannte Portraitsessions in meinem Studioraum sowie die fotografische Begleitung von Veranstaltungen an (das können private, aber auch Firmenevents sein) und mache hier und da einen Ausflug in die Bühnenfotografie.

Geburtsfotografin Danny Merz im Interview

Warum sollten Mütter die intime Situation der Geburt fotografieren lassen wollen? Warum reicht es eben nicht, wenn der Partner ein paar Fotos mit dem Smartphone macht?

Ich würde gar nicht so weit gehen zu sagen, dass es nicht genügt, wenn der Partner Fotos mit seinem Smartphone macht. Es kommt ganz darauf an, welche Art von Fotos und Erinnerungen eine Familie sich wünscht. Genügt eine Handyaufnahme direkt nach der Geburt oder möchte man die gesamte Geschichte, den ganzen Geburtstag anhand ästhetischer und liebevoll nachbearbeiteter Fotos nachempfinden können? Jede werdende Mama, jede Familie hat ihre ganz eigenen Vorstellungen, Wünsche und Anliegen für die Geburt ihres Kindes – ebenso was die Dokumentation dieses besonderen Tages angeht.

Eine Sache, die werdende Eltern, welche noch keine Geburt miterlebt haben, vielleicht unterschätzen ist wie wichtig es ist, dass der Partner oder die Partnerin für die werdende Mama da ist. Und dass er oder sie zudem mit der eigenen Aufregung und den eigenen Emotionen zu tun hat. Das ist sicher einer der ganz großen Vorteile einer professionellen fotografischen Geburtsbegleitung: Die Familie kann sich ganz auf sich und den Moment konzentrieren.

Ein weiterer beachtenswerter Faktor ist, dass alle Beteiligten auf diesen so wertvollen Momentaufnahmen zu sehen sind. (Oder wie Erich Kästner es ausdrückte…: “Merk Dir, du Schaf, weil es immer gilt: Der Fotograf ist nie auf dem Bild.” ) Und ist es nicht eine schöne Vorstellung, dass das Kind sich später Aufnahmen von seiner eigenen Geburt anschauen kann, auf denen alle Familienmitglieder zu sehen sind?

Interview Geburtsfotografin Danny Merz

Für viele Familien und vor allem Mütter können Aufnahmen von der Geburt ihres Kindes zudem eine heilsame Komponente haben.

Manche Mütter quält zum Beispiel noch lange nach der Geburt, dass vielleicht nur wenig so gekommen ist, wie sie es sich vorher gewünscht hatten. Manchmal muss ein Kind trotz eines langen, tapferen Kampfes am Ende doch per Kaiserschnitt entbunden werden. Oder der Kaiserschnitt war geplant, die Mama konnte ihr Kleines aber erst eine Weile nach dem Eingriff sehen und ist traurig, die ersten Minuten seines Lebens nicht mitbekommen zu haben. Fotos von diesen Momenten zu haben erweist sich für viele Mütter als unglaublich wertvoll. Aber auch Aufnahmen, die aus einer anderen Perspektive noch einmal den gesamten Geburtstag dokumentieren, können bei der Verarbeitung einer Geburt sehr gut tun.

Und nicht zuletzt denke ich, dass man der Familie, dem Kind das geboren wird aber auch anderen Familienmitgliedern und Nachkommen ein wertvolles Geschenk macht, wenn diese sich Jahre und Jahrzehnte später anschauen können, wie es war, damals, bei der Geburt von… nennen wir ihn mal „Opa Johann“.

Im Übrigen bin ich die Letzte die es nicht versteht, wenn eine Frau unter der Geburt keine zusätzliche Person im Raum haben oder schlicht und ergreifend nicht möchte, dass währenddessen Fotos gemacht werden. Deshalb würde ich auch niemals versuchen, eine Frau oder Familie zu einer Geburtsreportage zu überreden, die es nicht von sich aus möchte.
Schon vor der Geburt ein Vertrauensverhältnis zu den werdenden Eltern, insbesondere der Mutter, aufzubauen ist mir deshalb ein wirklich großes Anliegen. Denn es ist wichtig, nicht als „Fremde“ empfunden zu werden und dass sich die werdende Mama zu jedem Zeitpunkt trauen kann, mich auch mal vor die Tür zu schicken. Bisher ist das noch nicht vorgekommen, aber es soll unbedingt möglich sein und die Situation immer den aktuellen Bedürfnissen der werdenden Mama entsprechen.

Für Familien die nicht die gesamte Geburt dokumentiert haben möchten, sich aber dennoch dokumentarische Aufnahmen von den ersten Momenten mit ihrem neuen Familienmitglied wünschen, bietet sich übrigens ein sogenanntes „Fresh 48h-Shooting“ an. Hier kommt die Fotografin oder der Fotograf entweder unmittelbar nach der Geburt dazu oder aber – je nach Absprache – etwas später innerhalb der ersten 2 Tage.

Geburtsfotografin Danny Merz im Interview

Welche Vorurteile haben die deutschen Mütter und wie begegnest du diesen Vorurteilen?

Kürzlich schrieb mir eine werdende Mutter, nachdem sie sich mein Portfolio angeschaut hatte, die Fotos wären ja gar nicht so „indiskret“ wie sie befürchtet hatte. Ich musste lachen als ich das las und denke, das trifft den Punkt ziemlich gut. Bei einer Geburtsreportage – wie ich sie verstehe – geht es zum einen nicht um die trockene Dokumentation körperlicher Vorgänge oder medizinischer Fakten, noch geht es ausschließlich um den einen Moment, in dem der neue kleine Mensch zur Welt kommt.

Es geht um so viel mehr. Die Emotionen aller Beteiligten, die Atmosphäre im Raum, die Verbindung zwischen den Eltern und ihrem Kind, um Berührungen, Blicke, Details die man zu schnell vergisst oder die gar nicht wirklich wahrgenommen werden konnten.

Und nicht zuletzt ist es mir – und ich denke da spreche ich auch für viele Kolleginnen & Kollegen aus aller Welt – ein Anliegen zu zeigen, welche unglaubliche Schönheit & Stärke einer Geburt und einer gebärenden Frau innewohnt.

Eine wunderbare Kollegin aus Jena und ich haben gerade eine Plattform ins Leben gerufen, auf der sich werdende Eltern über Geburtsfotografie ganz allgemein und Geburtsfotografen aus ihrer Nähe informieren können. Mit Professional Birth Photographers of Europe (PBPE) möchten wir Geburtsfotografen aus ganz Europa zusammenbringen, Eltern und Geburtshelfer über Geburtsfotografie aufklären und eventuell vorhandene Vorurteile ausräumen. Den Blick für die Schönheit der Geburt schärfen und ein Gefühl dafür vermitteln, wie wertvoll und unter Umständen auch heilend es sein kann, die eigene Geburtserfahrung in ästhetischen Momentaufnahmen festgehalten zu wissen.

Danny Merz Interview Geburtsfotografie

Wie läuft eine typische Geburtsreportage bei dir ab? Gibt es denn überhaupt eine typische Geburtsreportage? Denn planen kann man solch eine individuelle Geburtsstory sicher nicht besonders gut.

Richtig, der Verlauf einer Geburt selbst lässt sich natürlich nicht planen – deshalb halte ich eine solide Planung und Besprechung aller Eventualitäten mit den werdenden Eltern im Vorfeld für sehr wichtig.

Spätestens ab dem Beginn meiner Rufbereitschaft, also ab 2 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin, halten wir regelmäßig Kontakt via Textnachrichten, Email oder auch Telefon – je nach Vorliebe. Sobald dann die Wehen einsetzen bekomme ich Bescheid und mache mich – je nach Wehenabstand und -stärke sowie geschätzte Anfahrtszeit – entweder schon langsam auf den Weg oder warte ab, was die ersten Untersuchungen ergeben.

Während der Geburt selbst gibt es keinen festen „Plan“, da richte ich mich nach der Atmosphäre vor Ort, den Bedürfnissen der Eltern und dem Geburtsvorgang selbst. Wenn der kleine Mensch geboren ist bleibe ich meist noch ein, zwei Stunden um die erste Untersuchung und ggf. das erste Stillen zu begleiten.

Geburtsfotografin Danny Merz Interview

Worauf sollten werdende Eltern achten, wenn sie über die Begleitung einer Fotografin nachdenken? Was gibt es zu bedenken? Und wann muss man sein Interesse bei dir anmelden?

Am wichtigsten ist glaube ich, dass es zwischen den Eltern, allen voran der werdenden Mama, und der Geburtsfotografin eine Grundsympathie gibt. Und natürlich, dass ihnen der Stil der Arbeiten der jeweiligen Fotografin / des Fotografen zusagt.

Es ist sicher nicht falsch darauf zu achten, dass man sich bei der Fotografin ganz allgemein gut aufgehoben fühlt, sie gut vorbereitet ist, auf die eigenen Wünsche eingeht und auch im Vorfeld eher Ruhe als Hektik vermittelt. Auch ist es in Ordnung, sich Bedenkzeit zu erbitten, wenn man sich noch nicht ganz sicher ist ob jene Fotografin die richtige ist. Von falsch verstandener Höflichkeit profitieren am Ende nämlich weder die Eltern noch die Fotografin.

Ihr Bauchgefühl wird den Eltern helfen, die für sie beste Fotografin zu finden.

Was die Anmeldung angeht – natürlich ist es am besten und entspanntesten, wenn sich die Eltern so früh wie möglich bei mir melden. Das kann auch gerne schon ganz zu Beginn der Schwangerschaft sein. Es ist in Ordnung, wenn sie bei mir den Zeitraum um den Geburtstermin reservieren oder einen Kennenlerntermin vereinbaren bevor ggf. schon alle Freunde und Verwandte von der Schwangerschaft wissen – ich verspreche hoch und heilig, nichts weiterzusagen.

Es gibt aber grundsätzlich auch kein „zu spät“, sondern ist immer den Versuch wert! Auch noch eine Woche vorher. Vielleicht habe ich genau um den errechneten Geburtstermin oder im Falle eines geplanten Kaiserschnittes an diesem Tag ein freies oder wieder frei gewordenes Zeitfenster. Anfragen für Geburtsbegleitungen außerhalb Hamburgs nehme ich auch gerne an. Am ehesten dürfte mein Einsatz in einer anderen Stadt bei einem geplanten Kaiserschnitt realisierbar sein, hier und da ist aber vielleicht auch bei einer Spontangeburt etwas machbar – oder aber ich kann den Eltern eine Kollegin aus der jeweiligen Stadt empfehlen.

Da es sehr schade wäre wenn eine fotografische Geburtsbegleitung an einem finanziellen Engpass scheitert kann ich einigen Familien die Möglichkeit zur Ratenzahlung anbieten – ausserdem suche ich 2-3 Mal im Jahr eine „Portfoliofamilie“, das bedeutet ich darf einen Großteil der entstandenen Fotos für mein öffentliches Portfolio verwenden und im Gegenzug erhält die Familie einen Rabatt auf mein Honorar. Interessierte Eltern können mich jederzeit gerne auf eine dieser Möglichkeiten ansprechen!

Geburtsfotografin Danny Merz im Interview

Du stehst den Eltern während der gesamten Geburt zur Seite. Dabei fotografierst du nicht nur, sondern sprichst den Eltern auch Mut und Kraft zu, versorgst sie mit Essen und Getränken und machst vielleicht auch mal einen Scherz zur Aufmunterung. Wie lang dauerte dein längster Einsatz im Kreißsaal bisher?

Um ehrlich zu sein weiß ich das gar nicht so genau… aber es sind durchaus schon acht bis zehn Stunden gewesen und auch bei einem geplanten Kaiserschnitt kalkuliere ich vier bis fünf Stunden ein.

Geburtsfotografin Danny Merz im Interview

Wie ist es für dich im Kreißsaal? Du fotografierst immerhin die wichtigsten, emotionalsten und aufregendsten Momente im Leben deiner Kunden. Wie nahe gehen dir diese Erlebnisse?

Aufregend. Sehr aufregend ist es für mich im Kreißsaal. Und immer anders. Nicht nur weil jede Geburt einzigartig ist, sondern es ebenfalls die Menschen sind, das Umfeld, die Räume, das Licht, die Hebammen, Ärzte… und natürlich das Kind!

Alle arbeiten auf diesen magischen Moment hin, in dem ein neues Leben geboren wird, ein neuer Mensch zur Welt kommt, ein kleines Wesen von seiner Familie empfangen wird.

Es ist schon etwas sehr sehr Besonderes, hier dabei sein zu dürfen. Und natürlich berührt mich das auch. Die unbändige Freude und Erleichterung im Raum, die Liebe, aber natürlich auch die Spannung, Ungewissheit, vielleicht gegenwärtige Angst und die Schmerzen, durch die die werdende Mama gehen muss.

Bislang hatte ich das große Glück, dass Mutter und Kind immer alles sehr gut überstanden haben, so waren dann am Ende auch bei mir Erleichterung und große Freude die vorherrschenden Gefühle. (Na gut, manchmal kam nachdem die Spannung abgefallen ist vielleicht noch etwas Hunger oder Müdigkeit dazu.)

Geburtsfotografin Danny Merz Interview

Deine Fotos einer Geburt sind so einzigartig wie die Geburt selbst. Dennoch hast du sicher eine kleine Liste mit möglichen Motiven im Kopf. Welche Foto-Motive gehören für dich in jede Geburtsreportage?

Oh das ist eine knifflige Frage.
Jeder Fotograf hat seinen eigenen Stil und eine ganz eigene Erzählart. Deshalb würde ich gar nicht sagen, dass bestimmte Motive ein Muss für eine Geburtsreportage sind. Ich kann lediglich ein paar Impulse geben, die den Fotografen am Ende ja vielleicht ganz woanders hinführen…

Falls es zum Beispiel eine Wanduhr im Geburtsraum gibt, kann das als wiederkehrendes Motiv sehr schön sein. Wenn man von Anfang an daran denkt ab und an ein Foto von der Uhr zu machen, ist das klasse! Ich muss zugeben, dass ich das bisweilen leider auch vergesse oder aber sich manchmal keine große (oder einigermaßen ansehnliche) Uhr im Geburtsraum befindet.

Einer der „Klassiker“ in vielen Geburtsreportagen ist sicherlich ein Bild vom Wehenschreiber. Außerdem können Hände ein sehr ausdrucksstarkes Detail sein. Manchmal bekommt man ein schönes Foto von den ersten Sekunden des Neugeborenen, was aber nicht alleine in der Hand des Fotografen liegt. Wenn der kleine Mensch dann geboren ist gibt es eine Fülle an Möglichkeiten für Motive. Das Neugeborene beim ersten Kontakt mit der Mama zum Beispiel, die Emotionen der Anwesenden, die Käseschmiere (so vorhanden), das erste Stillen, die kleinen Hände und Füßchen, Details wie beispielsweise dichtes Haar oder kleine süße Speckröllchen, das erste Wickeln…

Ich denke jeder Fotograf kann sich hier von seiner Intuition leiten lassen, den Motiven, die seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ihn berühren, ihm etwas erzählen. Denn am Ende ist es doch unsere ganz eigene Bildsprache, derentwegen die Eltern uns ausgesucht haben.

Geburtsfotografin Danny Merz im Interview

Was war das emotionalste Erlebnis in deinem Job als Geburtsfotografin?

Das ist jetzt wahrscheinlich nicht besonders ausgefallen. Aber die erste Geburt die ich begleiten durfte hat mich schon ganz besonders berührt. Zum ersten Mal mit eigenen Augen dieses…ja… Wunder mitzuerleben. Später durfte ich die Kleine, die friedlich schlummernd leise vor sich hin quiekte, einen Moment halten, war schockverliebt und bin noch bis zum Morgengrauen im Krankenhaus geblieben – irgendwie wusste ich auch noch gar nicht so recht wohin mit mir und diesen gebündelten Eindrücken und Emotionen. Während den frischgebackenen Papa seine Erschöpfung übermannt hatte (er war im Kreißsaal eingeschlafen), saß ich noch bei der Mama und der kleinen Maus – das war sehr besonders.

Was mich ebenfalls irre gerührt hat, war eine Textnachricht von einem frischgebackenen Papa. Nach einer langen Geburtsnacht inklusive Krankenhauswechsel (ja, die armen Eltern…) bedankte er sich von Herzen für meine Unterstützung und schrieb außerdem „Du warst nicht nur die Fotografin sondern auch eine Freundin “. Da habe ich fast geweint. Nicht nur, weil ich von der Nacht natürlich auch noch etwas aufgewühlt war, sondern weil es genau das ist, was ich mir für den Idealfall wünsche: Dass die Eltern Vertrauen zu mir haben und wissen, dass ich sie auch jenseits meines „Auftrages“ gerne unterstütze so gut ich kann.

Geburtsfotografin Danny Merz im Interview

Hast Du besondere Wünsche für Deine „Geburtsfotografie Wish List“ oder bezüglich der Geburtsfotografie ganz allgemein?

Oooh ja!
Zum einen würde ich mich sehr über eine zunehmende Offenheit der Geburtsfotografie gegenüber hier in Deutschland freuen. Damit meine ich nicht, dass nun alle werdenden Eltern einen Geburtsfotografen engagieren sollen. Sondern einfach, dass sich mehr Menschen darüber informieren und vielleicht die Arbeiten verschiedener Fotografen anschauen, bevor sie sich ihre Meinung bilden.

Was ich mir außerdem ungemein wünsche ist ein Dialog zwischen Geburtshelfern und Geburtsfotografen. Da die fotografische Geburtsbegleitung in Deutschland im Augenblick noch nicht allzu populär ist, wissen auch viele Hebammen und Ärzte nicht so recht, was sie sich darunter vorzustellen haben. Das schürt natürlich Bedenken und auch hier begegnen wir als Fotografen leider dem ein oder anderen Vorurteil. Deshalb wäre es ganz wunderbar miteinander ins Gespräch zu kommen, denn ich bin sicher, dass davon beide Seiten profitieren würden.

Auf meiner ganz persönlichen „Geburtsfotografie-Wunschliste“ stehen momentan die Begleitung einer Regenbogenfamilie, einer Haus- sowie einer Mehrlingsgeburt. Natürlich freue ich mich aber immer sehr auf und über alle Familien, die mir ihr Vertrauen schenken und jedes einzelne Menschenkind, dessen Geburt ich begleiten darf!

 

Wir danken dir so sehr Danny und wünschen dir noch viele traumhafte Geburtserlebnisse!

Wir hoffen wir konnten euch zeigen, was Geburtsfotografie ist und was sie eben nicht ist. Auf der Website von Danny Merz findet ihr beeindruckende Bildergalerien mit weiteren emotionalen Fotos von Geburten. Auf dem FAQ Bereich ihrer Website beantwortet Danny auch noch mehr typische Fragen ihrer Kunden. Zusätzlich bekommt ihr auf dem facebook-Account von Danny aktuelle Fotos und Neuigkeiten.

 

Danny Merz Geburtsfotografie, Februar 2017
Interview: Carolin Bartel
Fotos: Danny Merz Geburtsfotografie

 

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5 Kommentare

  • Reply
    Inga
    15. Februar 2017 at 14:12

    Ich finde es wahnsinnig toll, dass es so eine Möglichkeit gibt! Wenn ich zurück an die Geburt meiner Tochter denke, hätte ich es mir sehr gerne gewünscht. Mein Mann hatte unsere kleine nur auf den Arm, während die Ärzte den Kaiserschnitt wieder verschliessen. Einer der Ärzte in diesem Raum, stand sogar als hinter mir und hatte sein Handy in der Hand, war sehr kurz davor zu fragen, ob er ein Bild machen könnte. Ich konnte nämlich meine Tochter erst 18h nach der Geburt im Arm halten, da niemand in der Kinderklinik wusste, ob unsere Maus aus dem Brutkasten darf (Sommer 2015 bei einer Außentemperatur von über 40 Grad und eine Raumtemperatur von 30 Grad)
    Im August erwarten wir unser nächstes Baby und ich werde mich definitiv nach einer Geburtsfotogrsfin in unserer Umgebung erkunden.

    • Reply
      Carolin
      15. Februar 2017 at 14:20

      Ohhh. Das hat Danny ja in den Interview auch beschrieben: Dass es vielen Müttern hilft die Geburt besser zu verarbeiten. Auch mir geht es so, dass ich kaum Erinnerungen an die Geburt meines ersten Kindes habe. Im Nachhinein hätte ich ein paar Fotos der Geburt – nur so für uns Eltern und später für das Kind – unheimlich schön und wertvoll gefunden. /carolin

  • Reply
    Antje
    17. Februar 2017 at 12:48

    Sehr schöner und ausführlicher Artikel 🙂

  • Reply
    Jessica
    10. März 2017 at 11:09

    Hallo!
    Das ist genau die Richtung in die ich mit meiner Fotografie gehen möchte! Super, dass ich diesen Artikel gerade finde, wo ich auf meiner Homepage ein bisschen Aufmerksamkeit – oder bewusstsein für Geburtsfotografie schaffen möchte! Darf ich den Artikel in meinem Blog teilen? Das wäre super! Liebe Grüße, Jessica

    • Reply
      Carolin
      10. März 2017 at 11:16

      Hallo Jessica. Wir freuen uns, dass dir das Interview gefällt. Wegen der Veröffentlichung auf deinem Blog haben wir dir eine persönliche Mail geschrieben. Herzliche Grüße, Carolin

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