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Fine Art Schwangerschaftsfotos mit Karolin Rögner

Interview Karolin Rögner Klick.Kind

Natürliche, achtsame und poetische Fine Art Schwangerschaftsfotografie – darauf hat sich Fotografin Karolin Rögner aus der Nähe von Jena spezialisiert. Karolin will in ihren “Herztöne”-Fotosessions so viel mehr als einfach nur schöne Fotos von Schwangeren machen. Sie will auf individuelle Art die tiefe Verbindung zum Baby zeigen. Die unbändige Vorfreude. Die bedingungslose Liebe. Die grenzenlose Kraft. Und die unglaubliche Wärme. Mit uns spricht Karolin Rögner über ihre Fine Art Schwangerschaftsfotografie und ihren persönlichen Weg als Fotografin.

 

Liebe Karolin, seit wann fotografierst du und welchen Stellenwert hat die Fotografie heute für dich?

Liebe Carolin, hab’ zuerst einmal vielen Dank für deine wunderschöne Einleitung. Deine wertschätzenden Worte haben mich sehr berührt und sind Balsam für meine Seele. Nun zurück zur Frage: Als ich 12 war, schenkte mir mein Papa meinen ersten Fotoapparat. Damals noch mit einem Film ausgerüstet, knipste ich wild einfach alles, was mir vor die Linse kam. Vor fünf Jahren kaufte ich mir dann meine erste Spiegelreflexkamera und auch wenn ich die Funktionsweise zu Beginn überhaupt nicht verstand, war ich sofort gefesselt.

Meinen Frieden mit der Fotografie habe ich aber erst im letzten halben Jahr gefunden. Nach einer „kreativen Schaffenskrise“, in der ich meine Kamera kaum in die Hand nahm, bin ich mehr bei mir angekommen und habe meinen Stil definiert und akzeptiert; habe meine persönlichen Stärken und meine Lebensgeschichte in der Art entdeckt, wie ich die Welt und die Menschen um mich herum sehe; habe verstanden, dass „technische Perfektion“ nicht ausreicht, um ein „gutes Bild“ zu kreieren.

Interview Schwangerschaftsfotografie Karolin Rögner

Du hast dich auf gefühlvolle und zeitlose Fine Art Portraits von werdenden Müttern (und Vätern) spezialisiert. Was können wir uns unter der Fine Art Schwangerschaftsfotografie vorstellen?

Es gibt keine allgemein gültige Definition für Fine Art Photography. Deswegen muss ich an dieser Stelle etwas ausholen: Das Wort Kunst findet sich bereits im Althochdeutschen, so steht es in meinem Brockhaus (und auch bei Wikipedia), und meinte ursprünglich all das, was jemand beherrscht, also all seine Kenntnisse, seine Fähig- und Fertigkeiten, seine Talente und sein Geschick. Kunst kommt also tatsächlich von Können.

Ich bezeichne mich deshalb als Künstlerin und beschreibe meine Arbeiten als Fine Art Portraits, weil ich genau das betonen will: Ich verstehe mein „Handwerk“!!! Damit meine ich natürlich die „technische Seite“, also das Zusammenspiel von Licht und Schatten, Umgebung, den Möglichkeiten meiner Kamera, Styling und Posing, der Bildkomposition und schließlich der Bearbeitung.

Aber damit meine ich vor allem auch den persönlich-emotionalen Aspekt: Es ist meine Aufgabe, während einer Session eine so angenehme Atmosphäre voller Geborgenheit, Wärme, Freude und Zuneigung zu schaffen, dass die Frauen (und Männer) gar nicht anders können, als mir genau diese Gefühle zurück zu spiegeln. Und das kann ich.

Interview Schwangerschaftsfotografin Karolin Rögner Fine Art Fotografie

Was ist deiner Meinung nach das häufigste Missverständnis bei dieser (dem breiten Publikum eher unbekannten) Art der Schwangerschaftsfotografie?

Ich glaube, die Schwangerschaftsfotografie wird oft auf das Äußere reduziert, also darauf, die Veränderung des weiblichen Körpers festzuhalten. Das ist natürlich ohne Zweifel auch sehr, sehr wichtig und eine tolle Erinnerung. Aber ich denke, Schwangerschaftsfotografie sollte mehr sein: Sie sollte die Geschichte des Babys von dem Punkt erzählen, an dem sie beginnt. In Vertrauen, Geborgenheit und Wärme. Und das ist lange vor der Geburt, lange vor dem ersten Herzschlag.

Genau das sollen meine Bilder tun: Sie sollen die wundervolle Verbindung zwischen Mama und Baby und ebenso die tiefe Zuneigung zwischen den Eltern reflektieren. Wenn das Kind später einmal diese Fotos anschaut, dann soll es fühlen: „Ich bin da, weil meine Mama und mein Papa sich geliebt haben. Sie haben sich auf mich gefreut und sie liebten mich schon, da hatte ich das Licht der Welt noch nicht erblickt.“

Schwangerschaftsfotos Karolin Rögner Fine Art Fotografie

Es setzt sehr viel Vertrauen voraus, solche persönlichen und intimen Fotos zu kreieren. Wie gewinnst du das nötige Vertrauen und wie ist deine Vorgehensweise bei deinen achtsamen Sessions?

Da spielen sicher viele Faktoren eine Rolle. Ich habe meine Schwangerschaft selbst so sehr genossen und fand diese Zeit einfach so magisch und wundervoll. Ich weiß, wie es ist, ein Baby unter dem Herzen zu tragen und kann daher vieles gut „nachfühlen“. Manchmal bin ich richtig aus dem Häuschen und versprühe diesen „Geist der frohen Hoffnung“ und das steckt einfach an.

Und dann denke ich, Vertrauen entsteht durch Sicherheit und Sicherheit entsteht dadurch, dass ein Mensch weiß, was auf ihn zukommt. Ich treffe mich mit jeder Mama vor der Session mindestens einmal auf einen Kaffee (oder Tee) zum Kennenlernen und Beschnuppern. Nur so kann sie herausfinden, ob ich als Mensch (und natürlich auch als Fotografin) zu ihr passe.

Während des Shootings bin ich dann die Ruhe selbst. Meist fotografiere ich zuerst nur die Mama und ihren Bauchzwerg. (Die Männer sind manchmal doch etwas vorsichtig und skeptisch und finden es gut, das Geschehen mit etwas Abstand zu beobachten. Stück für Stück binde ich die Papas dann immer mehr mit ein, bis wir uns dann langsam an die Paar-Bilder heranwagen.) Ich kündige jede meiner Handlungen vorher an. Gerade bei Detail-Aufnahmen erkläre ich immer vorher: „Ich komme jetzt mal ganz nah an dich ran.“

Interview Karolin Rögner zu Schwangerschaftsfotografie

Was sind die größten Herausforderungen bei der Fine Art Fotografie?

Selbstvertrauen!!! Für mich ist die größte Schwierigkeit, loszulassen, die Kontrolle abzugeben und mich ganz auf mich und den Moment zu besinnen. Das ist schwierig, zu beschreiben: Früher glaubte ich, ich müsste während eines Shootings bestimmte Posen „abarbeiten“, weil ich dachte, dies würde von mir erwartet werden.

Heute weiß ich, diese Gedanken waren nur in meinem Kopf. Ich habe Ansprüche an mich selbst gerichtet, weil ich meinte, wenn ich dieses oder jenes mache, dann bin ich eine „gute Fotografin“. Heute gehe ich ein Shooting lockerer an und mache mich frei von diesem Druck. Natürlich habe in ein bestimmtes „Bild im Kopf“, aber ich lasse den Dingen insgesamt viel mehr ihren Lauf.

Interview Karolin Rögner zur Schwangerschaftsfotografie

Denkst du fotografisches Talent ist angeboren oder etwas, dass man erlernen kann?

Hui, Carolin, das ist echt eine sehr komplexe Frage. Ich würde es mal mit einer Metapher probieren: Du kennst das vielleicht, du siehst in einer Zeitschrift oder einem Blog ein Rezept und möchtest es gern „nachkochen”. Du kaufst alles ein, hältst dich genau an die Mengen, Vorgaben und Zeiten. Tja, und irgendwie schmeckt es dann doch ganz anders, als du erwartet hast. Irgendwie fad und langweilig oder vielleicht auch einfach gar nicht mal so lecker. (Mein Mann sagt dann immer sehr diplomatisch: „Es schmeckt sehr gut, aber bitte mach’s nicht nochmal.“)

Worauf ich hinaus will: Die Grundlagen der Fotografie, also das „Prinzip Licht“, und die Funktionsweise der eigenen Kamera lassen sich sicher in kurzer Zeit und relativ unkompliziert verinnerlichen. Aber für alles andere gibt es eben keine Handbücher. Dann braucht es ganz viel Zeit, Mut zum Experimentieren, Selbsterkenntnis, Geduld und Vertrauen in den Prozess. Und das ist für mich weniger ein „Erlernen“, als vielmehr ein persönliches Wachstum, eine eigene Entwicklung.

 

Hast du fotografische Vorbilder?

Es sind nicht unbedingt bestimmte Fotografen, die mich inspirieren, sondern ein bestimmter Bildstil. Momentan fühle ich mich unglaublich von dunklen/eher unterbelichteten, „tiefen“, melancholischen und „schweren“ Aufnahmen angesprochen. Ich schaue mir z.B. gerade sehr gern die Arbeiten von Teresa Vick, Michelle Gardella und Twyla Jones an.

Schwangerschaftsfotografin Karolin Rögner im Interview

Wie schaffst du es, dich von anderen Fotografen inspiriert zu fühlen, ohne kopieren zu wollen?

Grundsätzlich ist es auf jeden Fall hilfreich, den Social-Media-Konsum auf ein Minimum zu reduzieren. Und dann ist meine eigene Verfassung echt entscheidend. Es gibt Zeiten, da kann ich mir meinen Instagram-Feed ganz „neutral“ anschauen und die Arbeiten anderer Fotografen ehrlich wertschätzen.

Und dann gibt es aber auch Tage, da denke ich nur: „Die können das alle viel besser als ich. Dieses Level werde ich nie erreichen. Ich werde niemals Erfolg haben.“ Oder: „Wenn ich mir doch noch dieses Objektiv kaufe und genau so shoote, dann werden meine Bilder besser.“ Solche Gedanken tun weh und sie sind absolut kontraproduktiv. Denn sie verengen die Sicht, schränken die Kreativität ein und bestätigen sich im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung selbst. (Wie sollen mir andere Menschen vertrauen, wenn nicht mal ich von mir überzeugt bin?)

Aber sie sind auch wichtig und es lohnt sich achtsam ganz genau hinzuspüren, den Ärger, die Wut, die Trauer und vielleicht auch die Angst anzunehmen und sich zu fragen: Warum fühle ich mich gerade so persönlich betroffen? Was ist heute anders, was ist passiert? Was spricht mich an diesen Bildern so an? Was macht mich an meinen Fotos (oder in meinem Leben) gerade so unzufrieden? Und meist kommt dann der Stein von ganz allein ins Rollen…

Interview Schwangerschaftsfotografie

Welche Tipps hast du für unsere Leserinnen, die sich nach diesem Interview mit der Fine Art Fotografie beschäftigen wollen?

Einfach den Kopf ausschalten, loslegen und so oft wie möglich fotografieren. Und dann in regelmäßigen Abständen die eigenen Bilder anschauen und „analysieren“: Welche gefallen mir besonders gut und warum? Was sind meine Lieblingsmotive? Wie ist das Licht? Wie habe ich sie bearbeitet?

 

Vielen Dank für den Einblick in diese besondere Art der Schwangerschaftsfotografie, Karolin!

Mehr über die Philosophie der Fine Art Schwangerschaftsfotografie von Karolin Rögner könnt ihr auf ihrer Website nachlesen. Gefühlvolle und sinnliche Schwangerschaftsfotos aus aktuellen Sessions seht ihr regelmäßig auf Karolins facebook Account. 

 

Karolin Rögner, April 2017
Interview: Carolin Bartel
Fotos: Karolin Rögner

 

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