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Lebendige Familienfotos am Strand – Birgit Döring verrät im Interview die passenden Tipps

Interview mit Familienfotografin Birgit Döhring aus Rostock

Heute wollen wir euch mit Birgit Döring eine Fotografin vorstellen, die Carolin in Rostock schon seit Jahren regelmäßig begegnet. Sie fotografierte immer wieder Freunde und Nachbarn. Als Birgit dann einen ganzen Tag die Hochzeit einer guten Freundin fotografisch begleitete, hat Carolin die Chance ergriffen und Birgit direkt mal um ein Interview gebeten. Denn Birgit fotografiert nicht nur Hochzeiten. Sie ist auch begeisterte Familienfotografin. Birgit liebt es mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern an der Ostsee zu leben und nutzt den Strand auch super gern als Fotolocation für ihre Familienshootings.

Hallo Birgit. Vielen Dank, dass du dir Zeit für uns nimmst. Kannst du uns zum Start ein wenig über dich und deine Arbeit erzählen? Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Die Fotografie begleitet mich schon sehr lange und war über viele Jahre „nur“ mein Hobby. Angefangen hat diese Leidenschaft mit meiner ersten Kamera, einer Lomo, die mich überall hin begleitete. Während des Studiums kaufte ich mir die erste Spiegelreflexkamera und habe mich ernsthafter mit dem Thema auseinandergesetzt. Ohne Internet (das steckte da noch in den Kinderschuhen) und analog auf Negativ- oder Diafilm wurde ganz viel ausprobiert und getestet, ich habe mich mit Gleichgesinnten ausgetauscht, in allen möglichen Fotogenres versucht, viel gelesen und immer mehr dazu gelernt.

Der Einstieg in die beruflich ausgeübte Fotografie war bei mir aber nicht die Hochzeitsfotografie, da hatte ich anfangs viel zu großen Respekt vor. Mit der Geburt meiner Kinder (ich habe zwei Töchter) änderten sich meine fotografischen Interessen. Ich wollte unser privates Leben mit den Kindern festhalten, ihr Aufwachsen dokumentieren und schöne Bilder zu Erinnerung haben.

Eins hat sich dabei im Laufe der Jahre ganz deutlich herausgestellt: mein “Fotothema” sind Menschen. Das sind eindeutig meine liebsten Motive. Mit der Familienfotografie fing es dann an.

Familien und Hochzeiten im Reportagestil sind heute meine Schwerpunkte in der freiberuflichen Arbeit als Fotografin. Aus dem ganz einfachen Grund: ich liebe es, ungestellte Momente einzufangen. Kinder scheren sich meist relativ wenig um die Kamera und auf einer Hochzeit geht es um das Brautpaar und nicht um den Fotografen. Perfekt…

Birgit Döhring aus Rostock im Interview zu Kinderfotos

Als Familienfotografin machst du authentische, lebendige und echte Familienfotos. Gibst du den Familien dazu Anweisungen oder arbeitest du eher dokumentarisch? Beschreib uns doch bitte deine Arbeitsweise etwas näher!

Mein Herz schlägt für die Reportage, also favorisiere ich den dokumentarischen Ansatz. Aber da bin ich nicht restriktiv oder in Definitionen gefangen, sondern reagiere eher intuitiv und individuell auf die Familien.

Stellt euch Fragen: Woran möchte ich mich später erinnern? Was ist heute noch selbstverständlich und wird morgen unwiderbringlich vergangen sein? Welche Gewohnheiten und Rituale haben und lieben wir gemeinsam als Familie? Was macht unsere Tochter, unseren Sohn gerade heute so besonders?

Wir entscheiden zusammen, wo und wann die beste Zeit für die Fotos ist. Es hilft ungemein, wenn alle ausgeruht sind und sich in vertrauter oder geliebter Umgebung wohlfühlen. Deswegen komme ich auch zu den Familien nach Hause oder wir treffen uns an ihrem Lieblingsplatz im Freien. Mein Ziel ist es, nicht als Fremde wahrgenommen, sondern auch mit den Kindern schnell vertraut zu werden. Direkte Anweisungen gebe ich nicht, das ist auch nicht notwendig. Manchmal führe ich in eine Situation und räume auch durchaus einmal etwas beiseite. Aber letztlich lasse ich viel Raum und Zeit für gemeinsame Aktivitäten, die ich mit der Kamera begleite, ohne aktiv einzugreifen.

Birgit Döhring aus Rostock im Interview zu Kinderfotos

Gibt es ein Familienshooting, dass Dir besonders in Erinnerung geblieben ist? Und warum? War es so lustig, so absurd oder gar traurig?

Oh, es gibt viele, an die ich mich sehr sehr gerne erinnere. Aber eins wird immer etwas Besonderes für mich bleiben: mein erstes Familienshooting, das ich für die Tapferen Knirpse fotografiert habe. In diesem Verein organisiert sind viele engagierte Fotografen, die Familien mit einem schwerkranken Kind ehrenamtlich fotografieren und ihnen so schöne Bilder als Erinnerung an eine nicht ganz einfache Zeit ermöglichen.

Mein tapferer Knirps war ein kleines Mädchen, das ich gemeinsam mit ihren Eltern, der kleinen Schwester und dem Opa im Garten an einem sommerlich warmen Tag kennen lernen durfte. Ein paar Monate später schrieb mir die Mutter, dass es die letzten Bilder waren, die nun die Familie für immer an ihren kleinen Engel erinnern werden. Eins dieser Bilder schmückte die Trauerfeier und hängt nun auch an der Wand im Wohnzimmer. Das geht einem sehr nah und auch, wenn die Begegnung nur kurz war, wird sie mir doch immer in besonderer Erinnerung bleiben. So traurig das auch alles ist – hat es mir doch eindrücklich gezeigt, wie wichtig es ist, bleibende Erinnerungen zu schaffen.

Birigit Döhring im Interview zu Kinderfotos

Du fotografierst gern Familien am Strand. Wir lieben diese natürlichen Bilder. Doch aus eigener Erfahrung wissen wir auch, dass es nicht ganz so einfach ist am Meer zu fotografieren. Da sind meistens starker Wind, knallige Sonne und viele andere Menschen – am liebsten alles zusammen. Hast du ein paar Tipps für uns?

Früh aufstehen ;-). Tatsächlich ist das die beste Möglichkeit, um im Sommer diese schönen leichten Bilder zu bekommen. Zum einen ist das Licht dann noch nicht so hart und der Strand bis auf einige wenige Frühaufsteher ziemlich leer. Bei Familien mit kleinen Kindern ist das oft unproblematisch, da die Mäuse meist sowieso zeitig auf sind.

Ansonsten verabrede ich mich auch gerne am Abend für die Bilder am Strand. In erster Linie auch hier wieder wegen des Lichtes.

Um die Mittagszeit versuche ich an sonnigen Tagen den Strand grundsätzlich zu meiden. Die Sonne steht so hoch, dass unschöne Schlagschatten in den Gesichtern entstehen und viele sind auch einfach schnell geblendet. Der helle Sand reflektiert stark und automatisch kneift man die Augen zu, was selten gut aussieht. Ganz davon abgesehen, dass unzählige Badegäste den Strand bevölkern. Letztlich ist das ja auch die Realität und keine inszenierte Kulisse. Auf das Wetter haben wir keinen Einfluss und das ändert sich an der Küste gerne schnell.

Ich habe das Glück, sehr nahe am Strand zu wohnen und so kann es vorkommen, dass ich mit den Familien (wenn sie tagsüber flexibel sind) die Uhrzeit sehr kurzfristig anhand des aktuellen Wetters vor Ort abstimme.

Und der Wind? Der gehört schließlich dazu! Ich liebe diese dramatische Stimmung, wenn der Wind auffrischt, die Wolken aufreißt und die Haare zerzaust. Wenn die Kinder lachend gegen den Wind anrennen, sich dann hinter Mama verstecken, um wieder zu Atem zu kommen. Wenn Papa seine Lieben in die Arme nimmt, damit sie nicht wegfliegen. Und das Meer so laut tost, dass die Brandung einen kein Wort verstehen lässt. Alles ist kraftvoll und lebendig.

Aber auch die ruhigen Tage sind wunderschön, wenn nur eine leichte Brise weht und alles irgendwie schwebend und entspannt wirkt. Wenn man es zulässt, übertragen sich die Stimmungen des Meeres auf einen und besonders Kinder sind sehr empfänglich dafür. Meine Aufgabe ist es dann nur noch, im richtigen Moment den Auslöser zu drücken…

Birgit Döring mit Tipps für Kinderfotos am Strand

Viele von uns stellen sich vor, dass du als Fotografin selbst ein gut gefülltes Fotoalbum deiner Familie hast. Birgit, ganz ehrlich – ist das so oder bist du es nach einer fotoreichen Arbeitswoche auch manchmal müde zu fotografieren und dann lässt du die Kamera privat lieber liegen?

Jein – ich habe definitiv ein sehr gut gefülltes digitales Fotoarchiv mit privaten Bildern meiner Familie. Die echten Fotoalben dagegen sind noch immer auf meiner to do list. Seit 2004 fotografiere ich digital und mein Ziel ist es, Jahrbücher als Familienchronik zu gestalten. Allerdings ist der Zeitpunkt der Umsetzung noch völlig offen… Und ansonsten ist die Leidenschaft für Fotografie beruflich wie privat noch immer sehr groß. Müde? Nein, im Gegenteil, ich muss mich oft zurück nehmen, um meiner Umgebung nicht damit auf die Nerven zu gehen. Also bleibt die Kamera auch schon mal in der Tasche.

Aber dabei ist sie immer.

 

 Was inspiriert dich dazu die Kamera in die Hand zu nehmen? Momente? Licht? Location?

Das ist einfach zu beantworten: definitiv Momente! Den entspannten Gesichtsausdruck beim Musikhören mit Kopfhörern, wenn nichts und niemand stören kann. Die Überraschung beim Auspacken der Geburtstagsgeschenke. Der liebevolle Blick, die zarte Geste, die leise Berührung. Das Jubeln des Neffen nach einem Strike beim Bowlen. Wenn die Großeltern mit der Enkeltochter im fernen Neuseeland skypen. Kleine und große Momente, flüchtige Augenblicke, die ich wichtig finde.

Ergibt sich eine Situation in schönem oder interessanten Licht – umso besser! Natürlich suche ich das Licht in der Form, wie es mir für das Ergebnis am besten erscheint.

Fotografieren ist malen mit Licht, ohne bekomme ich kein Bild.

Der richtige Moment im richtigen Licht – perfekt! Die Location gibt den Kontext, rahmt, erklärt oder ergänzt. In der Summe versuche ich natürlich alle Faktoren zu berücksichtigen, aber initial inspirierend ist tatsächlich für mich der Moment.

Birgit Döhring aus Rostock im Interview zu Kinderfotos

Du hast zwei Töchter im Teenageralter. Lassen sich die Mädels gern von dir fotografieren? Worauf kommt es bei der Fotografie von älteren Kindern deiner Meinung nach an?

Nein, die beiden lassen sich leider nicht mehr gern von mir fotografieren, zumindest nicht zwischendurch in den kleinen Momenten des Alltags. Manchmal ärgert es mich, manchmal finde ich es sehr schade. Aber ich respektiere es. Das ist grundsätzlich wichtig, egal in welchem Alter die Kinder sind.

Bei älteren Kindern darf man auch ruhig argumentieren und erklären, warum wir es wichtig finden, Fotos zu machen. Bei geplanten Fotoshoots hilft es, diese rechtzeitig anzukündigen (am besten ganz groß im Kalender eintragen!) und die Wünsche der Kinder zu berücksichtigen. Klärt, was geplant ist und mit welchem Ziel. Lasst sie vielleicht selbst Ideen entwickeln. Steckt den Rahmen ab, aber gebt ihnen genug eigenen Entscheidungsspielraum. Und zwingt sie nicht in eine Rolle!

Ein Patentrezept habe ich nicht, aber einen Tipp, der vielleicht auch bei euch hilft, die fotoärmere Zeit der fotoscheuen Teenies zu überstehen: Entwickelt Fototraditionen, daran lässt sich leichter festhalten. Zu Geburtstagen und Feiertagen wie Ostern und Weihnachten wird allgemein meist viel fotografiert, genauso wie bei Ausflügen und gemeinsamen Urlauben. Außer am eigenen Geburtstag muss das Kind ja nicht im Mittelpunkt des Fotointeresses stehen und akzeptiert dann auch das eine oder andere Foto von sich als Erinnerung an diesen Tag.

Wir haben zwei feste Fotomotive jährlich als Tradition: ein Familienfoto mit uns allen (Kamera auf dem Stativ und fotografiert mit dem Selbstauslöser) für die Weihnachtskarte und zu Ostern ein Foto unserer Töchter für die Ostergrüße. Und auch, wenn wir im Normalfall alle gerade keine Lust darauf haben, die Zeit viel zu knapp ist und eigentlich und überhaupt… Es ist so schön, sich die alten Bilder aus den vergangenen Jahren immer wieder anzuschauen!

Eine Sache finde ich auch noch sehr wichtig: lasst die Kinder bei der Auswahl mitentscheiden. Löscht auch Bilder, wenn sie euch darum bitten und fragt um Erlaubnis, wenn ihr die Bilder im Internet zeigen wollt.

Familienfotografin Birgit Döhring aus Rostock im Interview

Bist du dann auch selbst auf den Fotos zu sehen? Oft schaut es ja so aus, als ob wir fotografierenden Mütter gar nicht in der Kindheit unserer Kids stattfanden. Hast du einen Tipp für uns Mütter, wie wir es öfters aufs Bild schaffen?

Ich bin leider tatsächlich nur selten mit auf den Fotos, was ich unendlich schade finde. Aber ich kann die Zeit nicht zurück drehen und aus dieser Erfahrung heraus nur alle fotografierenden Eltern ermutigen, sich selbst viel mehr vor die Linse zu trauen.

Erklärt eurem Partner die Kamera oder stellt sie selbst ein, dass nur der Auslöser betätigt werden muss. Nutzt ein Stativ und die Selbstauslösung der Kamera – dazu gibt es im Internet wundervolle Projekte, die einen ermutigen und inspirieren können. Ein fantastisches Beispiel für solch ein Projekt ist “Self Portraits of Motherhood” – ein Zusammenschluss von Frauen, die sich regelmäßig selbst mit ihren Kindern zusammen fotografieren. Oder lasst euch jedes Jahr einmal von einem Fotografen begleiten und Familienbilder machen.

Und vor allem: schmeißt euren Perfektionismus über Bord! Eure Kinder interessiert nicht, ob der Haaransatz erst neu gefärbt werden muss oder ein paar Kilos zuviel auf der Hüfte sitzen. Es braucht keine inszenierten „alle lächeln brav in die Kamera“ Bilder, um sich an die wunderbar chaotische erste Zeit mit dem Baby zu erinnern. Aber lasst euch fotografieren, wenn ihr mit dem kleinen Bündel Glück kuschelt, mit dem Wirbelwind spielt, dem Schulkind bei den Hausaufgaben helft oder alle gemeinsam das Essen vorbereitet. Die Fotos von euch mit euren Kindern sind Schätze, die mit der Zeit immer wertvoller werden. Denn nachholen geht nicht.

 

Was ist das Schönste an deinem Job als Familienfotografin?

Das ich jedes Mal so unglaublich liebenswerte Menschen kennen lerne und dabei soviel Freude und Glück für mich persönlich mitnehme.

 

Wir danken dir sehr für das Gespräch liebe Birgit!

Schaut euch doch mal die neue Website von Birgit an. Dort findet ihr eine fantastische Galerie mit noch mehr inspirierenden Familienfotos am Meer. Und folgt ihr auf facebook und instagram, wenn ihr Birgits neueste Arbeiten und Projekte sehen wollt.

Birgit Döring, Juni 2017
Interview: Carolin Bartel
Fotos: Birgit Döring Fotografie

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